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Lyrikpfad

Lasst uns…

wieder Schmetterlinge im Bauch spüren,
galoppierende Pferde in der Brust hören.
Lasst uns wieder Gänsehaut über den Körper laufen,
den Ruf von Bussard und Falke im Ohr haben.
Ich will wieder Hummeln sausen sehen,
das Schweifschmeicheln des Hundes auf dem Bein fühlen.
Wir sollten wieder wie junge Geparde über Steppen flitzen,
uns im hohen Gras verstecken, wie kleine Rehkitze.
Lasst uns wieder Kunstwerke kreieren, wie die Spinnen,
oder, wenn notwendig, uns im Laub einigeln.
Gerne wieder ein fröhliches Lied trällern, wie ein Zaunkönig,
gurrend wie die Taube über den Frieden erzählen.
Heimlich, wie ein Steinmarder, durch Nächte ziehen,
und die Lauscher in den Wind recken, wie der Feldhase.
Ich würde gerne klug und scheu sein wie eine Füchsin,
und manchmal lautlos wie die Schleiereule die Umgebung erkunden.
Hi und da wär ich gerne frech, wie ein Eichhörnchen,
um mich wieder zu spüren.
Könnten wir nicht wieder ein Lächeln in das Gesicht der
Mitmenschen zaubern, wie es der Marienkäfer kann?
Wir lächeln zu wenig, grübeln zu viel, sind unsere Herzen
kalt und träge geworden, Gefühle tabu?
Wer liebt, ist verletzlich!
Aber, verdammt – das ist es mir wert.

Foto: Manuela – unser Freund Faith
Gedankengeflüster

Der Schlüssel

Es ist so kalt in den alten Gemäuern dieses historischen Gebäudes. Ich zittere wie Espenlaub und laufe mit eingestecktem Kopf den nicht enden wollenden Gang entlang. Nur kurz blicke ich ab und zu hoch, wenn ich an den Schildern mit der Zimmernummer schaue, um zu sehen, ob ich endlich mein Ziel erreicht habe.
Meine Nase läuft wegen der Kälte, aber das macht nichts, das sieht ja keiner, trage ich ja seit beinahe zwei Jahren diese unfassbar hässlichen FFP2-Schutzmasken.
Durch die hohen Fenster kommt nun schon die Dämmerung gekrochen, draußen fallen dicke Schneeflocken und tanzen durch die Luft. Vor drei Stunden stand ich noch auf zugigen Bahnhöfen, auf den Zug wartend, der mich ins Kloster bringen sollte. In den Abteilen war es auch nicht wirklich warm, meine Winterjacke habe ich deshalb besser nicht ausgezogen. Gemütlich reisen ist anders.

Endlich, nur noch zwei Zimmer weiter, dann müsste ich da sein. Ich stecke meine Hand in die Jackentasche, fühle den kalten Schlüssel mit dem noch kälteren Messingschild, freue mich schon auf ein wohlig warmes Zimmer. Mist! Klappernd fällt der Schlüssel auf den Steinboden, meine Finger sind klamm vor Kälte. Ich schließe ungeschickt auf, in freudiger Erwartung. Ein offener Kamin mit brennenden Holzscheiten darin wäre jetzt eine Wohltat, aber natürlich wird es das hier in den bescheidenen Zimmern nicht geben, wo denke ich hin?
Meine Finger suchen nach dem Lichtschalter, eine steife Brise erfasst mich, lässt meine Haare wirbeln, die Gardinen wehen am Fenster, ich erstarre! Die schwere Tür hinter mir fällt träge und mit Lärm ins Schloss. Ich lasse mein Gepäck fallen und kann es kaum fassen. Hier drin ist es gefühlt kälter als draußen. Das Fenster im Zimmer steht sperrangelweit offen!

Diese kleine Geschichte entstand beim Seminar „Schreiben im Kloster“ mit Agnes Gerstenberg. Ich gebe es zu, ganz so kalt und grausam war es nicht – im Gegenteil: ich fühlte mich sehr wohl im Kloster St. Josef in Neumarkt in der Oberpfalz. Sehr gastfreundlich und vorzüglich geführtes Seminarhaus, das ich jedem nur empfehlen kann. Aber ihr wisst ja, das mit der Phantasie ist immer so eine Sache, die geht manchmal durch mit mir. Außerdem sollten wir einen Text über einen „Schlüssel“ schreiben – zum Aufwärmen am ersten Seminartag.

Bereits das zweite Mal habe ich beim Seminar mit Agnes teilgenommen. Themenschwerpunkte waren u.a.:

Achtsamen Schreiben

Automatisches Schreiben

Autorentreff, Schweigespaziergang

Handwerk – Figurenentwicklung – Dialoge

Offene Lesebühne am Abend – Teilnehmerinnen lesen ihre Geschichten (ja, Agnes, ich bin über meinen Schatten gesprungen, du weißt….. ;))

Ich muss mich nicht wiederholen, meine Begeisterung für die Workshops bei Agnes werdet ihr bereits bemerkt haben. Daher lasse ich noch Bilder sprechen. Aber eines steht fest – es war sicher nicht mein letztes Seminar „Schreiben im Kloster“ mit Agnes. Und natürlich freue ich mich zusätzlich, wenn ich wieder die Ladies von den letzten Kursen treffe: unglaublich tolle Frauen, die wunderschöne Texte schreiben und wo der Austausch wertschätzend stattfindet – die Ruhe im Kloster liefert den passenden Rahmen.

Wie schreibt Doris Dörrie in ihrem Buch „Leben – Schreiben – Atmen“ so schön?

„Wir sind alle Geschichtenerzähler. Während wir Schritt für Schritt weitergehen, ist es wichtig, auf die Umgebung zu achten, auf den Boden unter den Füßen, auf den Himmel über uns und auf die anderen, die gleichzeitig mit uns einen Fuß vor den anderen setzen, bevor wir uns schon wieder von allem verabschieden müssen. Schreibend erinnere ich mich an mich selbst. Schreiben heißt, die Welt einatmen!“

News

Neues Jahr

Unter diesem Motto starte ich ins neue Jahr, welches hoffentlich viele schöne Geschichten bringt.

Damit die Kreativität gleich zu Beginn des Jahres angestupst wird, habe ich mich für das Seminar „Der Intuition folgen – Kreatives Schreiben im Kloster

bei Agnes Gerstenberg ( https://agnesgerstenberg.com/index.html ) von kommenden Freitag bis Sonntag im Stift St. Josef (https://www.stjosef-nm.de/) angemeldet. Ich hatte vergangenen Sommer schon das Vergnügen und freue mich sehr darauf, im wunderschönen, ruhigen Ambiente des Klosters mit einigen „schreiblustigen“ TeilnehmernInnen an Texten zu feilen.

Private Wiese

Meerweh!

Schon beim ersten Anblick davon, kurz nach der Grenze, noch auf der Autobahn, musste ich die Seitenscheibe des Autos runterlassen.
Das mache ich schon seit Jahren so, auch als Kind habe ich das immer so gemacht, wenn ich kurz vor der Ankunft in weiter Ferne das Meer gesehen habe. Der Geruch, eine Mischung aus besonderer Würze und Salz, die feuchtheiße Luft, die laue Brise, all dies ist unvergleichlich. Nach einer anstrengenden Autofahrt fühlt man sich sofort angekommen und ein klein wenig ist es auch wie Heimat für mich.
Seit meiner Kindheit, in der die ganze Familie fast jährlich einmal ans Meer gefahren ist, sehne ich mich danach.
Es war heuer Ende Juli, nach drei Jahren Entbehrung, wieder so weit – endlich wieder Kroatien, diesmal mit meiner Mama.
Nachdem das Gepäck aus dem Auto verstaut war, bin ich an den Strand marschiert. Achtundachtzig Stufen trennen den Garten des Hauses vom Meer. An diesem Tag gab es kräftigen Wind, Wellen peitschten an den Kieselstrand und gegen die Felsen. Meine Haut nahm die Gischt und das Salz dankbar entgegen, saugte sich voll, die Sehnsucht wurde endlich gestillt.
Turbulent war es, das Meer, wie passend zu den vergangenen Monaten in der Pandemie. Es wirkte gar wütend auf mich. Ich lächelte, blickte über den Horizont zur Insel in die Ferne. „Ist ja gut, beruhige dich, nicht mehr wütend sein!“.

Ich sprach diese Worte zum Meer, aber …. meinte ich etwa mich?

Foto: Manuela – Juli 2021

Ich nehme gerade am #Schreibadvent 2021 von Julia Rumplmayr (https://schreibkraft.at/) teil. Täglich Impulse zum vergangenen Jahr. Der Impuls Meehrweh ist zum Thema 3. Dezember „Lieblingsmomente“ entstanden.