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Lyrikpfad

Seelenschmeichler

Vier weiche Pfoten, die uns Tag für Tag begleiten,
schon etliche Jahre nun durchs Leben schreiten.
„Faith“ ist dein Name und bedeutet: Glaube, Vertrauen, Treue…
all dies bewahrheitet sich täglich aufs Neue!
Ein Hund, mit dem man `Pferde stehlen` kann,
oft denken wir zurück, wie alles begann.
Unser kleiner Seelenschmeichler und Wirbelwind –
sind so froh, dass wir mit dir sind.
Bleib noch lange bei uns, so stets gut gelaunt und gesund –
Du bester, tollster und genialster Hund!

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News

Notizbücher

Vergangenes Wochenende besuchte ich für zwei Tage mit meinem Mann die Messe “Americana” in Augsburg (http://www.americana.de/home.html) – für uns alle zwei Jahre ein Fixtermin. Wir treffen dort immer gerne Gleichgesinnte, kaufen an unseren Lieblingsständen Qualitätsprodukte für Pferd und Reiter, es ist ein Treffpunkt zum Austauschen, Plaudern, Spaß-haben, Philosophieren.

Heuer bin ich erstmals (und ich besuche die Messe sicherlich schon seit über 15 Jahren regelmäßig) auf einen sehr bemerkenswerten Aussteller getroffen. Roberto Bussacchini aus PIACENZA, Italien www.pelletteriaartigianale.it  mit seinen Notizbüchern / Kalendern in allen Größen und Facetten (liniert, unliniert, kariert) gebunden in feinstes, italienisches Leder mit wunderschönen Motiven. Ich konnte mich gar nicht sattsehen an dieser umfangreichen Vielfalt. Und irgendwie ist es wahrscheinlich ein Tick von mir, an den Büchern zu riechen und sanft über den Einband zu streicheln. Am Liebsten hätte ich so ziemlich jedes Motiv in allen Größen und Macharten mit nach Hause genommen – aber, naja, ihr könnt euch denken, was mein Mann dazu gemeint hätte. 🙂

Geht es euch “Schreibenden” auch so, dass ihr gar nicht genug Notizbücher haben könnt? Welche Bücher inspirieren euch? Welche mögt und bevorzugt ihr? Schreibt mir gerne in den Kommentaren.

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Gedankengeflüster

Der letzte Buckaroo

Hinkend lief Mark mit staubigen Reitstiefeln den Weg entlang. Mit einer Hand hielt er sich die Hüfte und betrachtete das kaputte Smartphone in der anderen Hand.
„Verdammter Mistkerl!“, dachte er.
„Nugget! Komm` zurück!“, rief er energisch. Er nahm den Cowboyhut vom Kopf und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Stöhnend hielt er inne und lauschte Richtung Wald, der sich am Fuße der schneebedeckten Berge ausbreitete. Außer dem entfernten Rauschen des Wasserfalles in den nahegelegenen Mesa Falls war nichts zu hören. Mark musterte seinen zerrissenen Ärmel und die darunterliegende, abgeschürfte Hautstelle am Ellenbogen.
„Wenn ich den erwische, der kann was erleben!“, nuschelte er mit zittriger Stimme.
Plötzlich hörte er ein Knacksen.
„Nugget?“

Über eine Anhöhe, die in der Nähe des Waldrandes lag, kam ein Reiter auf ihn zu. An seiner Seite führte er Nugget als Handpferd. Der Mann mit dem breitkrempigen, dunkelgrauen Hut saß aufrecht im Sattel und hielt die edel geflochtenen Lederzügel sachte in den braungebrannten, gekrümmten Fingern der linken Hand. Sein Pferd glänzte in der Abendsonne, ein wunderschönes Tier mit eindrucksvollem Gehabe, einer dunklen Mähne und majestätischen Bewegungen. Mark hatte noch nie so ein elegantes, stolzes Pferd gesehen! Sie kamen näher und Mark konnte nun auch das Gesicht des Mannes erkennen. Bärtig, braun und faltig, die Gestalt schmal und hager, mit gepflegten Lederchinks über den Jeans und einem roten Hemd mit schwarzem Seidentuch um den Hals. Das Tuch wurde von einer silbernen Schmuckspange zusammengehalten, in der sich die Sonne spiegelte.
Er hielt neben Mark an, begrüßte ihn mit einem herablassenden Lächeln, mit dem selbstbewusste ältere Männer eben jüngeren Männern in Idaho begegneten, und fragte:
„Ist das dein Pferd?“
An der Seite von Mark wurde Nugget zunehmend unruhig. Sein Hals war schweißnass und sein Atem ging in schnellem Tempo. Mark näherte sich ungeschickt, wollte die Zügel fassen. Prompt wich der Rappwallach einige Schritte zurück, seine Augen waren geweitet und er schnaubte laut.
„Ja, Sir. Also eigentlich nein, Sir. Das ist das Pferd von Jim, ich hab` es mir geliehen. Dort vorne hat mich dann der Gaul ohne Grund abgebockt und das Weite gesucht!“
„Soso, einfach abgebockt.“ Als Mark noch immer nicht in der Lage war, nach den Zügeln zu greifen, geschweige denn in den Sattel zu steigen, ritt der alte Mann, wieder die Zügel von Nugget haltend, einfach los.
„Folge mir.“
Mark lief, so schnell ihm das möglich war, hinterher.
„Moment, Hallo! Wohin denn? Kann ich nicht aufsitzen? Ich bin verletzt.“
Der Reiter reagierte nicht und ritt Richtung Wald.
Nach etwa zehn Minuten erreichten sie eine kleine Lichtung. Der Mann stieg ab und führte beide Pferde zu einer abgebrannten Feuerstelle, auf der eine alte Kaffeekanne stand. Mark warf den Hut in die Wiese, stützte seine Hände auf die Knie und atmete lautstark.
„Komm` und sattle dein Pferd ab“, murmelte der Mann.
„Ich sollte jetzt aufbrechen und heimreiten, meinst du nicht?“
Der Mann wandte sich um und sah Mark mit zusammengekniffenen Augen direkt ins Gesicht. „Okay, mein Einwand scheint nicht geduldet zu sein“, dachte Mark.
Mit vor Erschöpfung zittrigen Fingern näherte sich Mark dem Sattelgurt, Nugget wich sogleich zur Seite.
„Mensch, Nugget, jetzt halt doch mal still. Das kann doch nicht wahr sein! Was ist denn heute bloß los mit dir? Lass dir mal…..“.
„Hör auf mit dem Gequatsche. Das interessiert ihn nicht!“ Der alte Mann legte seinen Sattel sorgsam auf eine Decke und ging zu Nugget, sattelte ihn ab und verstaute alles am Boden, dann nahm er dem Pferd die Trense aus dem Maul. Nugget hielt völlig still und senkte den Kopf.
„Aber wenn sie nun frei sind, laufen die dann nicht weg?“, fragte Mark.
„Was du liebst, lass frei. Kommt es zurück, gehört es dir“, entgegnete der Mann.
„Ich erwähnte bereits, dass er nicht mir gehört“, wandte Mark ein.
„Lass ihn mal den Kopf frei bekommen. Das hat er dringend nötig.“
Als sich der Mann zur Lagerstelle begab, gingen beide Pferde ruhigen Schrittes grasen. Jetzt bemerkte Mark den gebückten, unsicheren Gang des alten Herren und dessen O-Beine.
„Im Sattel stolz und anmutig, zu Fuß ein alter, gebrechlicher Mann“, stellte Mark in Gedanken fest. Menschen zu beobachten war Marks Job und er konnte das gut.
„Ich heiße Dave. Willst du Kaffee?“. Der Mann bückte sich zur Kanne und goss in eine alte Tasse etwas braune Brühe ein.
„Nein, danke. Ich heiße Mark und sollte jetzt wirklich aufbrechen. Jim wird sich Sorgen machen.“
Dave setzte sich auf einen Baumstumpf und nahm einen Schluck aus der Tasse.
„Du bist also bei Jim drüben auf der Ranch. Bist du Tourist?“
Mark trat von einem Bein auf das andere, beobachtete die Pferde, die nun etwas weiter weg Richtung eines Bachlaufes marschierten und dort vom Wasser tranken.
„Nein, Jim und ich sind alte Jugendfreunde. Ich wohne bei ihm für eine Weile, um hier zu arbeiten.“
„Was ist das für eine Arbeit?“, wollte Dave wissen.
Mark holte tief Luft, eigentlich war er nicht in Stimmung für Small-Talk. Dennoch nahm er gegenüber dem alten Mann auf einem weiteren Baumstumpf Platz.
„Ich arbeite an einem Buch. Es handelt von Cowboys im Westen. Bin etwas unter Zeitdruck, weil mir der Verlag schon auf die Pelle rückt. Es ist sehr hilfreich, dass ich bei Jim arbeiten kann, wollte nämlich auch am Pferd sitzen, damit ich meine Protagonisten hautnah beschreiben kann.“
Dave schmunzelte ein wenig, zündete sich mit arthritischen Fingern eine Zigarillo an und betrachtete die Pferde.
„Nugget ist ein feiner Kerl. Sehr sensibel und aufmerksam.“
„Kennst du ihn schon länger?“, wollte Mark wissen.
„Ich brauche ihm nur in die Augen zu sehen.“
Mark scharrte etwas verlegen mit einem Stiefel im Staub.
„Wie war das mit dem Bocken? Erzähl mal“.
„Naja. Ich ritt so des Weges im gemütlichen Schritt. Bin ja schon öfter mit ihm geritten die letzten Wochen. Bekam dann eine Mail auf mein Handy und hab nachgesehen. Auf einmal wurde Nugget nervös und tänzelte und wurde zappelig. Hab dann versucht, ihn am Zügel zu bremsen, und Jim meinte, manchmal schadet ein kleiner Sporeneinsatz nicht, um ihn wieder runterzuholen.“
Dave fing sachte und aus tiefer Kehle an zu lachen.
„Und dann hat er einfach so gebockt, was?“ Er lachte weiter und wischte sich eine Träne ab.
Die Pferde waren mittlerweile in den Wald verschwunden, nur ab und zu war ein leises Knacken zu hören. Dave beunruhigte das in keiner Weise, nur Mark stand auf und hielt Ausschau.
„Was stand denn da so in der Nachricht auf dem Telefon?“, fragte Dave.
„War geschäftlich. Wieder der Verlag, der endlich einen Vorentwurf braucht. Ich komme aber nicht weiter. Hänge diesmal gewaltig fest mit der Story.“
„Wie hast du dich gefühlt, als du die Nachricht gelesen hast?“ Mark setzte sich wieder und dachte ein Weilchen nach.
„Weiß nicht, geärgert habe ich mich wahrscheinlich.“
Dave beugte sich zu seiner Satteltasche und kramte eine silberne Brustflasche hervor. Er reichte sie Mark.
„Hier, nimm einen Schluck und versuche zu entspannen.“
Mark fühlte die ölige, intensive Flüssigkeit die Kehle hinunter gleiten. Ein angenehmer, kräftig-beeriger und rauchiger Geschmack machte sich breit, feinster Whisky!

„Bist du nun bereit für ein paar Worte?“, fragte Dave. Ohne eine Antwort abzuwarten, sprach er weiter.
„Entspannung gepaart mit gegenseitigem Vertrauen sind die Standbeine der Ruhe im Pferd. Setze dich nie in Hektik in den Sattel. Übertrage keine unnötigen Erregungen auf das Tier. Es gibt immer einen Grund für jede Bewegung, Regung und Handlung des Pferdes. Nur, wer sich Zeit und Mühe nimmt, wird Erfolg haben. Ein richtiger Horseman benimmt sich nicht dominant und aggressiv. Und bedenke: Dein Pferd ist dein Spiegel. Es schmeichelt dir nie. Es spiegelt dein Temperament. Es spiegelt auch deine Unsicherheiten, deinen Frust. Ärgere dich nie über dein Pferd, du könntest dich genauso gut über dein Spiegelbild ärgern! So einfach ist das, Mark.“
Dave schaute Mark fest in die Augen. Es war ein wissender, sanfter Blick mit enorm viel Wärme. Plötzlich bemerkte Mark auch den Schalk, der in den graublauen Augen des alten Mannes aufblitzte, ein lebensfroher Mensch mit einer großen Verbundenheit zu den Pferden. Mark meinte sogar, die Silhouette eines Pferdes zu erkennen, die sich nun in den Augen spiegelte.
„Na, da seid ihr ja!“, sprach Dave und erhob sich. Nugget und das Pferd von Dave standen hinter Mark. Völlig ruhig und entspannt, Mark hatte sie nicht einmal kommen hören.
„Dann wollen wir Jim nicht länger warten lassen“, meinte Dave.
Die Männer sattelten ihre Pferde und Nugget hielt jetzt ganz still.
„Ich werde dich begleiten“, meinte Dave. Mit einer geschmeidigen, ruhigen Bewegung stieg er in den Sattel und wartete auf Mark.
„Bescheidenheit und Demut, Mark. Reite dein Pferd stolz und mit Würde. Lass es strahlen!“ Mark wurde plötzlich ganz mulmig zumute. Wieso hatte er sich nie näher Gedanken über das Wesen der Pferde gemacht?

Der Ritt über den Waldweg und später über die staubige, schmale Landstraße verlief in völliger Ruhe. Dave sprach kein Wort. Er streichelte manchmal unauffällig über den Widerrist des Pferdes und nun war er auch nicht mehr der alte Mann, er war eine Einheit mit seinem Wallach und beide, Pferd und Reiter, wirkten unglaublich imposant und erhaben. Nugget trottete aufmerksam hinter ihnen her.
Jim stand in der Einfahrtsstraße zu seiner Ranch und wartete. Dave hob die Hand zur Hutkrempe und tippte kurz daran:
„Jim!“
„Dave. Es ist mir eine Ehre!“
Mark stieg vom Pferd und bedankte sich für die Begleitung. Es war ihm seit langer Zeit endlich warm ums Herz und er spürte eine unendliche Zufriedenheit. Sanft strich er über Nuggets Hals und schaute Dave nach, der wieder seines Weges ritt.
„Na, Mark? Alles okay bei dir? Wo hast du denn Dave aufgegabelt? Ihn sieht man sehr selten. Er ist einer der letzten Buckaroos hier bei uns und ein unglaublich guter Horseman.“
„Ja, ich weiß. Und ich weiß jetzt endlich, wie ich mein Buch schreiben werde.“

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Diese Geschichte habe ich anlässlich des Juli-Wettbewerbes zum Thema “Spiegelungen” beim Schreiblust-Verlag eingereicht. Unter 39 Teilnehmern erreichte sie Rang 5.

Der Text ist einem ganz besonderen Horseman gewidmet, Jean-Claude Dysli. Er war unser Lehrmeister und einige Zitate in dieser Geschichte stammen von ihm. Sie haben sich uns tief eingeprägt und begleiten uns täglich bei unserer Arbeit mit den Pferden. Danke, Jean-Claude! Es war uns eine Ehre, dich kennengelernt zu haben. 

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Jean-Claude Dysli (* 1935; † 15. Dezember 2013)

 

Lyrikpfad

Zitat Xenophon

Vergangenes Wochenende war ich auf einer Veranstaltung und habe dieses beeindruckende Zitat von Xenophon mit nach Hause genommen:

Allen, die mit Tieren umgehen, sei eindringlich zugerufen:

Vergeht euch nicht an der stolzen Seele!

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Ich werde mein Bestes geben!

Xenophon (geb. zwischen 430 und 425 v. Chr.) war ein griechischer Feldherr, Schriftsteller, Politiker und Philosoph, ein Schüler von Sokrates.

 

Fabelwesen

Die kleine Bärenfrau

Es war einmal eine kleine Bärenfrau. Sie lebte mit ihrer Familie nahe einer Waldlichtung. Jeden Tag ging sie arbeiten und sorgte sich um Familie und die Bärenhöhle, zusammen mit dem Bärenmann.
Sie lebten glücklich und waren alle gesund und wohlgenährt.
Eines Tages suchte ein kleiner, hilfloser Vogel die Bärenfrau auf: „Ich habe gehört, du kannst mir helfen?“ sagte er mit piepsiger, leiser Stimme. Sein Gefieder hatte keinen Glanz, die Flügel hingen kraftlos an dem schmalen Körper herunter. Die Augen waren sehr traurig und er öffnete geschwächt sein Schnäbelchen, damit sie ihm ein paar Körner füttern konnte.
„Wo tut es dir denn weh, du armes Kerlchen?“ fragte die Bärenfrau. „Ich weiß auch nicht, irgendwie ist alles so schwer für mich. Kann nicht fliegen, mein Bauch rumort, meine Füßchen sind so kraftlos. Möchte die Welt entdecken, das schaffe ich aber nicht!“
So hatte sich die kleine Bärenfrau dem winzigen Vogel angenommen. Hat in ihren Büchern geschaut, das Internet durchforstet, Freunde gefragt. Irgendwie schien dem Vögelchen aber nichts zu helfen. Alle Ärzte meinten schulterzuckend, sie wüssten auch nicht, was das Vögelchen hat.
Schließlich packte die Bärenfrau ihren alten Koffer und reiste für eine Weile in eine andere Gegend. Hat in einem nahegelegenen Wald vom Dr. Tausenfüßchen gelernt, wie man Meridiane aktiviert und Wohlbefinden in Körperregionen fließen lassen kann. Im nächsten Wald hat sie von einer weisen Biberfrau alles über Fütterung, Haltung und Wohlbefinden für Vögel gelernt. Am meisten hat ihr jedoch ein Igelmann, ganz weit weg von daheim, gelernt. Sie brauchte mehrere Tage, bis sie bei ihm angekommen war und die Reise war teuer und beschwerlich. Der Igelmann, ein Dr. der Vogelkunde und Dr. der Botanik , unterrichtete sie in Kräuterlehre, dozierte stundenlang in sehr interessantem Unterricht über die Heilkräfte der Natur und sie war so glücklich, dass sie es kaum erwarten konnte, wieder daheim zu sein und dem Vögelchen vielleicht ein wenig helfen zu können, damit sein Gefieder endlich leuchtet und er glücklich fliegen kann.
Daheim angekommen ging die kleine Bärenfrau mit ihren Kindern gleich auf Kräutersuche. Das Vögelchen hat gerne die verschiedenen Blätter, Blüten, Wurzeln gefressen und von Tag zu Tag ging es ihm besser. Die Bärenfrau brachte seine Meridiane wieder ins Lot, bestrahlte mit Farblicht und massierte das Vögelchen liebevoll mit ihren Bärentatzen.
Nach einiger Zeit leuchtete sein Gefieder in allen Farben des Regenbogens, das Vögelchen war proper von der Statur und stolz reckte es seine Flügel dem Himmel entgegen und machte seine ersten Ausflüge. Es zwitscherte und piepste ganz eifrig vor sich hin. Alle Tiere im Wald wurden hellhörig und freuten sich mit dem Vögelchen.
So kam es, dass einige kränkelnde Tiere aus der Umgebung die Bärenfrau aufsuchten und sie um Massagen, Farblicht und Meridianbehandlung baten. Auch über Kräuterlein hat die Bärenfrau mit den Tieren gesprochen, hat ihnen die Kräuter in ihrem großen Kräutergarten vor der Bärenhöhle gezeigt und alle haben die Pracht bewundert. Oft musste die Bärenfrau an den Igelmann denken, wie er leidenschaftlich über die Geschenke der Natur referiert hatte. Denn die Natur in dieser Umgebung hatte wirklich sehr viel zu bieten. Die Bärenfrau hatte das als großes Geschenk der Schöpfung gesehen. Sie kam aus dem Staunen und der Dankbarkeit nicht mehr raus und das kleine Vögelchen, das täglich an der Höhle vorbeiflatterte und lustig trällerte, machte ihr Herz ganz weit.
Leider war die kleine Bärenfrau aber auch ein wenig naiv und blauäugig, denn nicht alle waren ihr gut gesonnen und nicht alle teilten ihre Freude und Bewunderung. Manche tuschelten hinter ihrem Rücken und belächelten sie, auch über das kleine Vögelchen wurde getratscht.
Und da musste sie an einen Spruch denken, den sie schon von ihrer Großmutter gehört hatte:
„Es gibt viele Kräuter, gegen jede Krankheit eines. Nur gegen Neid, Eifersucht und Dummheit, da wächst leider keines!“

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Heute hatte ich Lust auf ein Märchen. Es liegt schon jahrelange in meiner Schublade und es hat natürlich auch einen “Grund”, wieso die Zeilen entstanden sind. 😉

Foto: @Manuela Murauer – Brunnen vor unserem Haus mit Johanniskraut in voller Blüte.