Lyrikpfad

Kräuterhexe

Salbei, Weihrauch, Myrrhe und Rosmarin,
rauf auf die Kohle und schon geht´s dahin.
Die Wohnräume reinigen, die Aura auch,
so ist es bei mir ein willkommener Brauch!

Der Hund, wie ein Schatten, läuft hinter mir her,
wedelt mit dem Schweif und niest wirklich sehr!
Er findet´s spannend, täglich aufs Neue,
ich mich seiner Begeisterung erfreue.

Rein in den Stall, bei den Pferden ist´s wichtig!
Noch mehr Harze und Kräuter rauf. So ist das richtig.
Die Schwaden begleiten und hüllen mich ein,
in jede Stallecke laufe ich rein.

Vier Pferdeköpfe heben sich vom duftenden Heu,
sie schauen interessiert, doch es ist nicht mehr neu.
Der eine prustet, der andre steht im Eck,
der dritte spitzt die Ohren und der vierte will weg.

Ich fange an zu summen und lächle ihnen zu,
täglich fragen sie sich, was ich denn da tu?!
„Ein bisschen Hexe sein, darf ich das nicht?“
…..lache ich und erzähl ihnen eine Geschicht`:

„Salbei schützt und reinigt die Räume,
Myrrhe erdet euch und schickt schöne Träume.
Weihrauch hebt die Stimmung, entspannt noch dazu.
Rosmarin schickt Kraft und desinfiziert – juppidu !“

Da stehen sie, schauen und hören auf zu kauen,
„Soll man dieser Hexe wirklich vertrauen ?“
„Ohja, ihr lieben Kerle, das könnt ihr gern,
ein schlechter Gedanke, der liegt mir fern.“

Die Hitze der Kohle lässt langsam nach,
die Rauchschwaden liegen auch plötzlich brach.
So gehe ich jetzt, schließ` die Tür ganz leise,
damit Kräuter und Harze wirken – auf ihre Weise.

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Lyrikpfad

Unstille

Duftschwaden umhüllend – nicht sehr lange
nach Gewürznelke, Vanille, Zimtstange.
Bunte Lichterketten, englische Weihnachtslieder
glitzernde, funkelnde Geschäfte, alle Jahre wieder!
Nach Nikolaus und Krampus naht das Finale
langsam leeren sich die Kaufhausregale.
So poltert Jahr für Jahr ein unstilles Fest
und dem Bankkonto entschwindet der letzte Rest.

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Foto von: https://de.omio.com/blog/shopping-center/

 

Lyrikpfad

Herbstkind

Im wunderschönen Herbst
bin ich geboren
fühlte mich in dieser Zeit
niemals verloren

Diese Farben
Nuancen von Gelb und Rot, satt
Den Waldweg säumt jetzt
Blatt um Blatt

Es raschelt, riecht erdig
um mich herum
spüre Melancholie, ganz zart
macht mich stumm

Windstille
nur Mückenschwärme sind zu hören
Spinnwebenfäden
verfangen sich im Haar, sie stören

Wärmende Sonne
auf meinem Gesicht
vorm Haus die Linde
die zu mir spricht

Sanft reckt sie
ihre Zweige empor
Erinnerungen erscheinen
vom Jahr davor

Sehe ihn, den Ahornbaum
vorm Krankenzimmer
in unseren Gesichtern
schwindende Hoffnungsschimmer

Gefühle kommen hoch
etwas verschwommen
diese Zeit macht mich
nun so benommen

Pferdegewieher, Hundegebell
reißen mich aus den Träumen
zarte Windspiele ertönen
die den Holzbalken säumen

Vermisse dich so sehr
spüre den Schmerz
ein Herbstkind war ich
mit Leib und Herz

Ein Jahr zog ins Land
das Vergängliche ist gekommen,
Herbst! Wieso hast du mir
den Vater genommen?

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Das Herbstkind nun in neuer Formatierung; ich bedanke mich bei Carmen & Michaela von http://www.verdichtet.at/   für das immer wieder wertvolle Lektorat und Korrektorat! Sie haben mich auf die Idee mit der Umgestaltung dieses Lyrikbeitrags gebracht. „Herbstkind“ wurde am 1.11.2019 auch auf ihrer Seite veröffentlicht.