Lyrikpfad, Writing Friday

sinnestrunken

Und weil es gerade so Spaß macht, hier ein weiterer Beitrag zum #WritingFriday  von Elizzy !

Ein weiterer Punkt zu den Schreibthemen für Juni lautet:

  • Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Sonne, Stimmung, Freunde, liebevoll, Verständnis

Ein wenig Lyrik gefällig? 😉

 

sinnestrunken

stimmungsvoll – mir wird warm ums herz

es ist in lavendelblaue träumereien gewickelt

freudetaumelnd berauscht lachend

schüttle ich die haare in den nacken

halte die sonne in den händen und

wir tragen das herz auf der zunge

verständnis für allerlei und überhaupt

so sind unsere freunde

und wir setzen uns liebevoll mitten in

das salbeilila feld neben roten rosen

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Foto @Manuela Murauer

gewidmet unseren Freunden S & M Z. – ich freue mich schon wieder auf ein Wiedersehen! und dann setzen wir uns in das salbeilila feld neben den rosen ❤

 

Writing Friday

Die Tochter des Königs

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Dies ist heute meine Premiere bei der Teilnahme von Elizzy´s Seite  #WritingFriday !

Kreatives Schreiben zu üben ist hier der Plan und da mache ich doch gerne mit.

Ellizy´s Schreibthemen für Juni lauten:

  • Jasmin trifft eine mutige Entscheidung; Erzähle welche, dies ist und was Mut für sie bedeutet.
  • Du wachst auf und steckst mitten in deinem aktuellen (oder vor kurzem gelesenen) Buch, was geht da vor? Und welches Buch ist es?
  • Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Sonne, Stimmung, Freunde, liebevoll, Verständnis
  • Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Der Regen fiel in Strömen auf sie herab, nun…” beginnt.
  • Deine vier Wände unterhalten sich darüber, dass du nun so viel zu Hause bist. Über was plaudern sie? Schreibe einen kreativen Dialog.

Ich habe mich für Punkt 2 entschieden, ich lese gerade das Buch von Rebecca Gablé „Die fremde Königin“ (kann es euch wärmstens empfehlen). Hier meine Geschichte:

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Die Tochter des Königs

Ich sitze an der großen Tafel in der Halle von Magdeburg im April des Jahres 952. Reges Treiben herrscht auf der Burg, die Vorbereitungen für das bevorstehende Osterfest, an dem der gesamte Adel und hochrangige Klerus des Reiches erwartet werden, versetzt Unterkämmerer, Diener, Köche und Mägde in helle Aufregung. König Otto hat seine Familie an den großen Eichentisch geladen, um über heikle Themen zu beraten. Seine zweite Frau Adelheid von Burgund, Königin von Italien und des Ostfränkischen Reiches, ist guter Hoffnung und sitzt aufrecht und vornehm auf ihrem Thron. Der hellgrüne Schleier, gehalten von einem goldenen Stirnband, kann ihre funkelnden Augen und ihren makellosen Teint nicht verbergen. Ihre rechte Hand ruht auf dem leicht gewölbten Bauch und streichelt sanft darüber. Noch vor Weihnachten wird sie Mutter eines Prinzen, so Gott will.

Ich betrachte König Otto, der sich einen Krug warmen Wein bringen lässt. Sein volles, blondes Haar ist leicht durchzogen von vereinzelten grauen Fäden, ein nobles Profil mit einem energischen Kinn prägt sein Erscheinungsbild. Dieses Profil lügt nicht, es zeigt einen starken, tatkräftigen Mann in den mittleren Jahren. Immerhin ist Otto zwanzig Jahre älter als Adelheid. Seine blauen Augen strahlen Klugheit, Wärme und Humor aus, dennoch kann er ein strenger Herrscher sein und seine Untertanen in Angst und Schrecken versetzen.

„Meine Lieben, es gibt leider keine guten Nachrichten. Ein befreundeter Fürst hat mir von einer Verschwörung gegen mich berichtet. Es wird sich erst zeigen, ob anlässlich des Osterfestes hier alle geladenen Adeligen auch tatsächlich eintreffen und uns wohlgesonnen sind.“ Der König nimmt einen Schluck vom Wein.

„Eine Verschwörung? Aber warum nur, Vater?“ Liudgard, Ottos Tochter aus erster Ehe, scheint fassungslos.

„Frag doch deinen Gemahl Konrad, meine Liebe. Aber erschrick nicht, wenn du nicht das zu Ohren bekommst, was du gerne hören würdest.“ König Otto erhebt kaum merklich seine Stimme. Liudgard holt tief Luft:

„Wie meinst du das? Mein Konrad ist dir ein treuer Untergebener!“

Otto winkt mit einer Hand in Liudgards Richtung ab und schüttelt den Kopf.

„Wie sagte einst mein bester Freund zu mir? Du hast die Krone bekommen. Also trag sie auch. Und zwar alleine!“. Plötzlich dringt lautes Stimmengewirr vor der Tür ins Innere. Eine Wache öffnet das Tor und verneigt sich tief vor dem König und dessen Frau. Atemlos stammelt er:

„Mein König! Panzerreiter Gaidemar ist eingetroffen und hat dringende Nachrichten. Scheinbar sind die Ungarn im Land eingefallen und bringen Tod und Verwüstung. Ein Adeliger unseres Reiches hat sie um Unterstützung bei einer Verschwörung gebeten und sie sind zu Tausenden gekommen.“ Noch ehe die Wache sich erheben kann tritt Gaidemar an ihm vorbei und schreitet energischen Schrittes an den Tisch. Gaidemar ist ein Bild von einem Mann, großgewachsen und muskulös von den vielen Stunden im Sattel, blonde Locken umrahmen sein edles Gesicht.

„Wo wurden sie gesichtet?“, fragt Otto und erhebt sich entschlossen von seinem Thron.

„Drei Stunden zu Pferd in südlicher Richtung, mein König. Ein kleines Dorf wurde dem Erdboden gleich gemacht. Ein grauenhafter Anblick.“

Otto umrundet die Tafel und klopft dabei jedem männlichen Familienmitglied auf die Schulter.

„Ihr kommt mit! Wache, lass´ die Pferde satteln, wir machen uns sofort auf die Suche. Gaidemar, die Panzerreiter sollen in einer halben Stunde bereit sein. Und du! Du kommst auch mit! Du wirst uns eine große Hilfe sein.“ Er nimmt mich an der Hand und zieht mich hoch.

„Ich?“, frage ich erstaunt, erhebe mich aber dennoch sofort und folge ihnen.

„Als meine erstgeborene, uneheliche Tochter brauche ich dich an meiner Seite. Ich habe noch Großes mit dir vor, meine Liebe,“ flüstert er mir ins Ohr.

Gaidemar lächelt mich an, seine dunkelblauen Augen funkeln verschmitzt und es versetzt mir einen zarten Stich Mitten ins Herz.

Reges Treiben herrscht vor den Stallungen, die Stallburschen laufen mit Sätteln und Zaumzeug herbei, Panzerreiter und Soldaten bewaffnen sich und auch ich bekomme Schwert und Dolch.
„Du reitest an meiner Seite, hab keine Angst. König Otto hat mich gebeten, auf dich aufzupassen.“ Gaidemar begleitet mich zu meinem Ross und reicht mir den Bügel. Ein Bursche bringt ihm seinen imposanten Rapphengst und geschmeidig steigt er in den Sattel. Nicht nur ich spüre die Aufregung rundherum, auch die Pferde sind nervös und zappeln herum. Wir verlassen im Schritt die Burg, den Weg bis zu den Flussauen wird noch rege beraten und nach einiger Zeit galoppieren wir los, dem Feind entgegen. Und ich fühle mich unendlich frei und unbeschwert.