Fabelwesen

Die kleine Bärenfrau

Es war einmal eine kleine Bärenfrau. Sie lebte mit ihrer Familie nahe einer Waldlichtung. Jeden Tag ging sie arbeiten und sorgte sich um Familie und die Bärenhöhle, zusammen mit dem Bärenmann.
Sie lebten glücklich und waren alle gesund und wohlgenährt.
Eines Tages suchte ein kleiner, hilfloser Vogel die Bärenfrau auf: „Ich habe gehört, du kannst mir helfen?“ sagte er mit piepsiger, leiser Stimme. Sein Gefieder hatte keinen Glanz, die Flügel hingen kraftlos an dem schmalen Körper herunter. Die Augen waren sehr traurig und er öffnete geschwächt sein Schnäbelchen, damit sie ihm ein paar Körner füttern konnte.
„Wo tut es dir denn weh, du armes Kerlchen?“ fragte die Bärenfrau. „Ich weiß auch nicht, irgendwie ist alles so schwer für mich. Kann nicht fliegen, mein Bauch rumort, meine Füßchen sind so kraftlos. Möchte die Welt entdecken, das schaffe ich aber nicht!“
So hatte sich die kleine Bärenfrau dem winzigen Vogel angenommen. Hat in ihren Büchern geschaut, das Internet durchforstet, Freunde gefragt. Irgendwie schien dem Vögelchen aber nichts zu helfen. Alle Ärzte meinten schulterzuckend, sie wüssten auch nicht, was das Vögelchen hat.
Schließlich packte die Bärenfrau ihren alten Koffer und reiste für eine Weile in eine andere Gegend. Hat in einem nahegelegenen Wald vom Dr. Tausenfüßchen gelernt, wie man Meridiane aktiviert und Wohlbefinden in Körperregionen fließen lassen kann. Im nächsten Wald hat sie von einer weisen Biberfrau alles über Fütterung, Haltung und Wohlbefinden für Vögel gelernt. Am meisten hat ihr jedoch ein Igelmann, ganz weit weg von daheim, gelernt. Sie brauchte mehrere Tage, bis sie bei ihm angekommen war und die Reise war teuer und beschwerlich. Der Igelmann, ein Dr. der Vogelkunde und Dr. der Botanik , unterrichtete sie in Kräuterlehre, dozierte stundenlang in sehr interessantem Unterricht über die Heilkräfte der Natur und sie war so glücklich, dass sie es kaum erwarten konnte, wieder daheim zu sein und dem Vögelchen vielleicht ein wenig helfen zu können, damit sein Gefieder endlich leuchtet und er glücklich fliegen kann.
Daheim angekommen ging die kleine Bärenfrau mit ihren Kindern gleich auf Kräutersuche. Das Vögelchen hat gerne die verschiedenen Blätter, Blüten, Wurzeln gefressen und von Tag zu Tag ging es ihm besser. Die Bärenfrau brachte seine Meridiane wieder ins Lot, bestrahlte mit Farblicht und massierte das Vögelchen liebevoll mit ihren Bärentatzen.
Nach einiger Zeit leuchtete sein Gefieder in allen Farben des Regenbogens, das Vögelchen war proper von der Statur und stolz reckte es seine Flügel dem Himmel entgegen und machte seine ersten Ausflüge. Es zwitscherte und piepste ganz eifrig vor sich hin. Alle Tiere im Wald wurden hellhörig und freuten sich mit dem Vögelchen.
So kam es, dass einige kränkelnde Tiere aus der Umgebung die Bärenfrau aufsuchten und sie um Massagen, Farblicht und Meridianbehandlung baten. Auch über Kräuterlein hat die Bärenfrau mit den Tieren gesprochen, hat ihnen die Kräuter in ihrem großen Kräutergarten vor der Bärenhöhle gezeigt und alle haben die Pracht bewundert. Oft musste die Bärenfrau an den Igelmann denken, wie er leidenschaftlich über die Geschenke der Natur referiert hatte. Denn die Natur in dieser Umgebung hatte wirklich sehr viel zu bieten. Die Bärenfrau hatte das als großes Geschenk der Schöpfung gesehen. Sie kam aus dem Staunen und der Dankbarkeit nicht mehr raus und das kleine Vögelchen, das täglich an der Höhle vorbeiflatterte und lustig trällerte, machte ihr Herz ganz weit.
Leider war die kleine Bärenfrau aber auch ein wenig naiv und blauäugig, denn nicht alle waren ihr gut gesonnen und nicht alle teilten ihre Freude und Bewunderung. Manche tuschelten hinter ihrem Rücken und belächelten sie, auch über das kleine Vögelchen wurde getratscht.
Und da musste sie an einen Spruch denken, den sie schon von ihrer Großmutter gehört hatte:
„Es gibt viele Kräuter, gegen jede Krankheit eines. Nur gegen Neid, Eifersucht und Dummheit, da wächst leider keines!“

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Heute hatte ich Lust auf ein Märchen. Es liegt schon jahrelange in meiner Schublade und es hat natürlich auch einen “Grund”, wieso die Zeilen entstanden sind. 😉

Foto: @Manuela Murauer – Brunnen vor unserem Haus mit Johanniskraut in voller Blüte.

Ein Gedanke zu „Die kleine Bärenfrau“

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