News

Gedanken

globus-wo-tuts-denn-weh

Im Juni 2018 hat mich dieses Foto mit Text tief berührt und mich eine Geschichte schreiben lassen. Ich habe sie zu Kapitel 2 in meinem Untermenü „Mondgöttinnen“ gefügt.

Noch heute bewegen mich diese Zeilen auf dem Foto. Sie haben nichts an Gültigkeit verloren.

Warum kommen sie mir gerade jetzt in Zeiten von „Corona“ in den Sinn? Weil momentan die Zeit still zu stehen scheint, weil viele von uns sich vielleicht Gedanken machen, wie es nachher weiter geht. Schaffen wir es, halbwegs unbeschadet aus dieser Misere herauszugehen? Wie sieht es nachher am Arbeitsmarkt, in der Wirtschaft, Gastronomie, Hotellerie, Landwirtschaft, in unserem näheren Umfeld / Familie aus? Wir wissen es alle nicht.

Wenn ich könnte, würde ich im Anschluss daran Mutter Erde gerne fragen:

„Hat dir die Verschnaufpause gut getan? Hast du dich etwas erholt?“

Antwort werde ich keine bekommen, ich blicke dennoch jeden Tag Richtung Himmel, Richtung Straßen, horche in die Atmosphäre und rieche die Luft – mit ein wenig Phantasie lautet dann die Antwort klar und deutlich: „Ja, danke. Hat gut getan!“

Ich würde gerne hier den ersten Absatz meiner Geschichte nochmals einfügen. In dieser Story hatte das Mädchen einen Alptraum. Tief verbunden mit der Natur fühlte sie deren Schmerz. In diesem Kapitel ging es um die blutende Erdmutter, es gerät alles aus den Fugen.

Zwei Jahre später, im Hier & Jetzt, geht es um ein Virus, das nicht nur unser aller Leben ziemlich durchschüttelt, es könnte auch Trauer und Leid bedeuten. Hoffen wir das Beste! Seien wir zuversichtlich und krempeln wir nachher die Ärmel wieder hoch, mit Bedacht und Achtsamkeit. Wir alle sind gefordert.

Die Mondgöttin

Sie läuft barfuß hinter dem alten Hund her, ihre dunklen Locken, die bis zur Mitte des Rückens reichen, wehen im Sturm. Das geblümte Kleid klebt an ihren nackten Beinen, es ist durchnässt. „Hank! Warte auf mich!“ Das kleine Mädchen kann dem Hund nur schwer folgen, es weiß aber, dass er auf der Suche nach Schutz ist und ihm den Weg weisen wird. Hinter ihm öffnet sich der Boden, aus schmalen Kratern quillt eitrige Masse, vermischt mit lavaähnlicher Brühe, alles schwappt über seine Knöchel, es stinkt ganz ekelerregend und das Mädchen muss würgen. Es läuft weiter, der Wind peitscht Regen, Hagel und Schnee gegen sein Gesicht. Der Hund hält immer wieder an und wartet auf das Mädchen.
An einem Bachlauf springen Forellen aus dem Wasser, landen auf der blutenden Erde, schwänzeln verzweifelt in der Luft. Das Gewässer verfärbt sich blitzschnell dunkelrot und beißender Mief erfüllt die Umgebung. Bald haben sie den Wald erreicht. Hinter einer großen Hecke kriechen Schlangen, Würmer, Kröten und Echsen hervor, sie fliehen ebenso vor der sich öffnenden Erde. Aus den Baumrinden tropfen dicke, harzähnliche Absonderungen, die Äste kringeln sich ein, sind plötzlich tot, starr, es stinkt nach Ammoniak.
„Hank, hilf mir, ich kann nicht mehr!“ Das Mädchen ringt nach Luft, der Ammoniakgestank treibt ihm Tränen in die Augen. Es dreht sich um, die Schlangen, Echsen und Kröten folgen ihnen. Die Fußsohlen des Mädchens schmerzen, trotz Regen und Schnee beginnt der Wald nun zu brennen, fängt Feuer. Der Himmel verdunkelt sich und es kann nichts mehr sehen. Nun ist der Hund an seiner Seite und führt es weiter. Vor ihnen teilt sich plötzlich der Weg, das Mädchen nimmt Anlauf und springt dem Hund hinterher, stolpert und versinkt mit einem Fuß im Morast. Das Mädchen schreit auf, mit Händen und auf Knien versucht es, sich aus dem Abgrund zu befreien. Sein Herz schlägt bis zum Hals, es weint und fleht und krabbelt auf allen Vieren weiter … Schlangen streifen seine Hände und Arme, schlingern an ihm vorbei.
Dann, endlich, sieht das Mädchen vor sich einen Felsvorsprung und dahinter eine große Weide, die von all diesem Unheil verschont geblieben scheint. Hank legt sich unter die Weide ins saftige Gras und wartet auf das Kind. Den Hund umarmend legt es sich dicht neben ihn, zitternd am ganzen Leib, und gemeinsam schauen sie dem grauenvollen Schauspiel zu, das um sie herum passiert.
„Mutter Erde, Mutter Erde, was ist mit dir? Wo tut‘s denn weh?“, schreit das Mädchen laut in den Abendhimmel.

weiterlesen ? – hier klicken: https://waldgefluesteronline.com/2018/

 

 

2 Gedanken zu „Gedanken“

Schreibe eine Antwort zu polarbearfriend Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s