Wo, wenn nicht hier auf „Waldgeflüster„, lohnt sich ein genauerer Blick auf das Wort Silvester, es leitet sich nämlich vom lateinischen Wort „silvestris“ ab, was so viel wie „Waldbewohner“ bedeutet.
Gerade in den letzten Tagen hatten wir hier, rund um den Pferdehof und unser Haus, eine magisch-mystische Stimmung. Tage voller Raureif auf Bäumen und auf der Wiese und schemenhaft die Pferde auf der Koppel, manchmal in hellblauen Nebel gehüllt, hi und da durchbricht ein Böller in der Ferne das Geheimnisvolle, Gedämpfte.
In der Früh bei der Stallarbeit der Geruch der Pferde, das Erdige, das Vertraute, die Musik in meinen Ohren, wenn sie abschnauben und Heu mampfen. Das flauschig aufgestellte Winterfell, dick wie eine Daunendecke, in das man reinfallen möchte. Das knarzende Geräusch, wenn die starken Hufe über vereistes Gelände schreiten, scheinbar verwurzelt und doch schwerelos und ohne Hast. Ihr weiches Maul gräbt verschiedenste Kringelmuster in das vereiste Gras, unter der Raureifdecke finden unsere Pferde letztes zartes Grün. Ursprünglich, naturnahe, ihrer Wesensart entsprechend dürfen sie schier uneingeschränkt hier bei und mit uns leben.
Wir fühlen uns an Tagen wie diesen wie Waldbewohner, sind wir doch umgeben von einem prächtigen Wald, in den man stundenlang bei Spaziergängen eintauchen kann, Erholung, Entschleunigung für Geist und Seele. Der Reif schwebt nach einem kurzen Windhauch lautlos auf die Wege, tausende weiße Kristalle hängen an den Zweigen, wenn sich die Sonne an dieser Symphonie noch beteiligt, glitzern viele bunte unterschiedliche Farbnuancen auf. Ein stilles Orchester der Natur.
Bei solchen Spaziergängen mag man mit Worten gar nicht stören. Wir schreiten wortlos und achtsam des Weges und es ist in Ordnung. Nach dem Marsch wärmen wir uns auf, vielleicht machen wir ein Lagerfeuer oder wir entzünden die Holzscheite im Ofen im Haus, sicher ist, dass wir in den Raunächten – an den Nächten zwischen den Jahren – die Räucherkohle im Stövchen anheizen und Kräuter und Harze auflegen. Ein mit Rauchschwaden gefülltes Ritual, das zu Waldbewohnern einfach passt.
Mit diesen Gedanken zum letzten Tag des Jahres möchte ich mich heute bei all meinen Bloglesern bedanken für die Treue, auch für die Kommentare, die ihr meinen Beiträgen schenkt. Wünschen darf ich euch ein wunderbares, vielleicht auch ein magisches oder aufregendes neues Jahr, auf jeden Fall aber – das wichtigste Gut – ein gesundes 2025!




Liebe Manuela,
wie immer bin ich beim Lesen deines Textes eingetaucht in deine Welt, die du so plastisch und sensibel beschreibst. Fast fühlte ich mich neben dir vorm Zaun eurer Koppel stehend, das Schaupiel von Winter, Raureif und Atemdampf, der aus den Pferdenüstern strömt, beobachtend. Auch wünsche dir und deiner Familie einen schönen Ausklang des Jahres 2024 und ein wunderschönes, erfülltes 2025.
Liebe Grüße, Ingrid
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Danke, liebe Ingrid!
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