Wir hatten heuer großes Wetterglück am ersten Mai, einem Feiertag, oder – wie er auch heißt – „Tag der Arbeit!“ Um diesen schönen Frühlingstag dem Namen entsprechend zu würdigen, setzte ich mich am Vormittag vor den PC und habe die Steuererklärung abgegeben – Tag der Arbeit. Mein Mann hat während meiner Bürostunden eine Mountainbiketour gestartet.
Wir haben am Vortag bereits den Feiertag und die erste Grillerei des Jahres geplant und ich das Biofleisch aus der Region mit Kräutern aus dem Garten und Gewürzen delikat mariniert.
Der Mann parkt sein Bike gleich im Garten bei der Veranda und heizt, noch im Fahrraddress, den Griller an.
„Ups, knapp wenig Kohle, aber wird schon klappen!“, war sein Kommentar. Ich pflücke den ersten grünen Salat des Jahres aus dem Hochbeet und bringe ihn mit Kräutern in die Küche. Im Hintergrund läuft der Fernseher und ich höre einige Reden von Politikern zum Maifeiertag. Eine Ansprache – besser ausgedrückt, eine Anschreie – eines Oppositionspolitikers ist herausragend bizarr und aufgrund dieser desolaten Rhetorik fällt mir glatt das Messer aus der Hand und landet knapp neben dem Barfußzeh. Das Fernsehgerät wird prompt ausgeschaltet und zur Erleichterung dringt das vergnügte Vogelgezwitscher durch die offene Verandatür.
Der Mann erscheint nun geduscht und umgezogen in kurzer Hose und T-Shirt auf der Bildfläche und macht sich am Tag der Arbeit über den Griller her. Wie in all den letzten dreißig Ehejahren stehe ich selbstverständlich mit Grillzange, kühlem Bier und Grillfleisch parat. Wenn ich schon mal befreit bin von den Mühen des Kochens, will ich meinem am Feiertag arbeitenden Mann natürlich gerne helfen. In der Zwischenzeit bereite ich den Salat und das Baguette vor. Mit salatölfettigen Fingern öffne ich die Gefrierfachtür des Kühlschranks und will die Tupperware mit Petersilie herausholen. Hätte ich vorher die Hände gewaschen, wäre nicht passiert, was dann passiert ist. Der Kunststoffbehälter landet auf dem Fliesenboden der Küche, der Deckel springt auf und die Petersilie verstreut sich über den Küchenboden. Nun gut, ein kleiner Rest ist im Behälter geblieben, den ich für das Salatdressing herausnehme. Damit das leckere Grün nicht auftaut, wird es sofort wieder im Gefrierfach verstaut – leider wieder mit den nicht gewaschenen Fingern. Die missliche Lage wiederholt sich ein weiteres Mal, diesmal geht die Tupperware aber zu Bruch.
„Dauert nicht mehr lange, bin gleich fertig!“, ruft der Mann aus dem Garten.
Auf allen vieren und mit Bodenwischtuch befreie ich den Küchenboden von dem Malheur und beeile mich, damit der Mann nicht warten muss mit dem Essen. Immerhin scheint er hungrig zu sein, nach seiner Fahrradtour und der harten Arbeit am heißen Griller.
Im hinteren Teil des Kühlschranks krame ich ein Geschenk von Bekannten heraus, die uns vor drei Wochen einen Besuch abgestattet haben. Mit den Worten:
„Ein geschmacklicher Gruß aus unserer Region!“ (Anmerkung: Region Schwaben, DE) wurde uns das Geschenk freudig überreicht. Fünf Gläser mit feinen Grillsoßen. Als ich diese auf einem Tablett anrichten und auf die Veranda tragen will, fällt mein Blick auf die Ablaufdaten. Ich mache kehrt und suche nach Alternativen. Die köstlichen Geschenke der Region Schwaben sind vor einem halben Jahr abgelaufen.
„Kannst kommen! Nimm noch Bier mit, bitte!“, tönt es aus dem Garten.
Erholt, weil ich heute nicht kochen musste, setze ich mich an den gedeckten Verandatisch und lasse mich von meinem Mann bedienen. Er hat sich wieder einmal selbst übertroffen, die Grillerei am 1. Mai schmeckt köstlich!
„Hörst du ihn auch?“, fragt er mich.
„Den Kuckuck? Ja, der ruft schon seit der Früh aus dem Wald. Der will heute gar nicht mehr aufhören.“
Ich erzähle meinem Mann die unterschiedlichen Bedeutungen des Kuckuckrufs: so gilt dieser als Zeichen für den Beginn des Sommers. In der europäischen Folklore gilt der Kuckuck als Symbol für Fruchtbarkeit und Liebe.
„Der Kuckuck wird aber auch oft als Symbol für Betrug und Täuschung verwendet,“ wendet mein Mann ein.
„Nun, dann hat der Kuckuck im Wald wohl heute der Ansprache des Politikers im Fernsehen gelauscht und will uns warnen!“, erkläre ich.
Wir müssen beide lachen und nehmen einen kühlen Schluck vom Gerstensaft.

Ja so ists mit der Grillerei.
Des kenn ich a!
Und genau beim Besuch am Wochenende war auch grillen geplant.
Erster Mai Mann Zahnschmerzen… ist besser du kochst meint er.
Hab mich schon auskennt … Dafür hat er sämtlichen Abwasch erledigt
Ja ja so geht’s auch….
Liebe Grüße Hedwig
Ps ich liebe deine Texte
LikeGefällt 1 Person
Danke. liebe Hedwig! Wir verstehen uns! 🙂 ich weiß, was du meinst.
LikeLike
So harmlos kommt die Geschichte daher. Scheinbar. Housewife-Style. Dann 💥 Zwischen den Zeilen. Die öligen Finger, der Mann am Grill, das Ablaufdatum des Schwaben-Geschenks von vor 3 Wochen, der Kuckuck, die Politik & die Frage nach der Wahrheit 👍
Danke fürs Teilen! Lesegenuss!
LikeGefällt 1 Person
Danke, Patricia. Meine erste und vermutlich letzte politische Stellungnahme, irgendwann musste das auch mal raus aus mir. Das Statement in eine Grillerei zu verpacken, kam gerade recht. 😉
LikeLike
Wenn ich deine Kommentare lese, ist es als wär ich dabei gewesen. Am 1. Mai waren wir auch mit Räder unterwegs und haben die Bio-Leckereien in Eggerding und Umgebung genossen (Rad trifft Kulinarik)
Ein Tipp fürs nächste Jahr.
LG und Danke für deine schönen Geschichten
LikeGefällt 1 Person
Lieben Dank, Christa!
LikeLike