Wurzelstöcke und Baumkronen

Erinnerungen ans Kochen

Als ich gestern von der Arbeit heimgefahren bin, hat mich meine liebe Nachbarin aufgehalten. Sie erzählte mir, dass sie erst kürzlich eine Kurzgeschichte (in einer Anthologie 2016 erschienen) von mir gelesen hat: „Erinnerungen ans Kochen“, sie war ganz hin und weg von meinen Erlebnissen, sie hatte es nämlich ähnlich empfunden. Mir ist aufgefallen, dass diese Geschichte hier im Blog noch fehlt (einige mehrere kugeln ja noch in den Schubladen herum…).

Ein weiterer Grund dafür, diese Geschichte hier sprichwörtlich aufzutischen, ist – ich darf an der Ortschronik unserer Gemeinde im Redaktionsteam mitarbeiten, was mich sehr freut und großen Spaß macht – und zuletzt ging es um die Brauchtümer von anno dazumal in den Wirtshäusern, mit „Saukopfpartien“ usw.

Darum erscheinen heute hier meine Erinnerungen!

Eingeprägt hat sich eigentlich das Verwerten der eigenen Sau vom ehemals mütterlichen Bauernhof, natürlich selbst gefüttert mit allerlei Kochresten von der Familie der Tante.

Mama war dann meist den ganzen Vormittag weg, erst später habe ich erfahren, dass es viel Arbeit ist, so ein Schwein zu zerlegen und auszunehmen. Wahrscheinlich auch kein netter Anblick für ein kleines Mädchen, wie ich es damals war – daher musste ich daheim bleiben.

Dann kam sie, die Mama, mit zwei oder drei Wäschekörben voll an zerlegtem, totem Schweinetier. Ein großer, hoher brauner Topf mit langen Henkeln an der Seite wurde auf den Herd gestellt. Ich, noch klein, durfte auf einem Schemel stehend zuschauen. Es wurden dann Innviertler Köstlichkeiten, wie Grammeln, Leberknödel, Beuschel, Blunz´n, Hirn mit Ei – das gab es gleich zum Mittagessen, geröstete Leber zum Abendessen – und ein paar andere Schmankerl gezaubert. Die Namen fallen mir nicht mehr ein. Als Jausenfleisch gab es für längere Zeit gebackene Schweinsohren, die Haxerl vom Schweinderl und restliche, undefinierbare Teile von der Sau. Papa hat das am meisten gemocht, mit frischem Kren dazu. Meine Brüder und ich waren nicht so begeistert.

Mama hat das immer mit Freude gemacht, Lieder summend und mir von früher erzählend, als sie noch auf dem großen Bauernhof lebte. Von der harten Zeit am Hof mit Erdäpfel klauben, Stallarbeit, heißen Sommern beim Heuen in langen Röcken – es hat sich ja nicht geschickt für junge Frauen, in kurzen Hosen herum zu laufen. Von den harten Wintern, wo sie durch den hohen Schnee zu Fuß in die Schule marschiert ist, ganz allein, über eine Stunde lang zur Schule hin und wieder eine Stunde lang von der Schule heim. Vorbei am bellenden Hofhund des Nachbarn, den sie so gefürchtet hat. Oder an den Sonntagen im Winter zu Fuß in die Kirche mit ihrer Mama, bald in der Früh, als es noch dunkel war draußen. Und sie hat mir von den Pferden erzählt, vor denen sie sehr großen Respekt hatte und für die nur ihr Papa zuständig war. Pferde, ein wertvolles Gut, waren Chefsache!

Ich habe einige Erinnerungen an meine Mama und das Kochen, vom Keksbacken mit Weihnachtsliedern im Hintergrund und Kerzenduft. Sie war stets gut gelaunt, hat gesungen dabei, jeder Handgriff passte, sie brauchte nie ein Kochbuch  – was mich im Nachhinein betrachtet am meisten fasziniert. Alle Rezepte hatte und hat sie im Kopf, würzen und abschmecken ging ihr leicht von der Hand und es war immer perfekt für mich und die ganze Familie.

Es war Kochen mit Liebe, Freude und Geduld! Und diese Liebe geht bis heute durch den Magen, wenn sie an den Feiertagen immer noch für die ganze Familie ihre Köstlichkeiten auftischt.

Danke, Mama!

Erschienen in der Anthologie „Verführungen“ im Jahr 2016.









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