In meinem letzten Eintrag habe ich über Jac geschrieben, der Besondere! Die versprochene Fortsetzung handelt nun von Woody – der Freund des Besonderen! Ich lasse meine Gedanken fließen……
Seit Ende Oktober 2007 bist Du nun bei uns. Ich erinnere mich an einen 9-Monate jungen Absetzer, ich habe Dein Foto als Verkaufspferd im Internet entdeckt und wollte Dich unbedingt live sehen. Der Ausflug hat sich gelohnt. Ich habe selten so ein gechilltes, ruhiges und schönes Hengstfohlen gesehen. Den Besuchern am Koppelrand – in dem Falle uns – schenktest Du nur wenig Aufmerksamkeit, Du hast uns nur aus der Ferne etwas skeptisch beobachtet. Kurt und ich mussten lächeln bei Deinem Anblick. Du schaffst es auch heute noch, mir täglich ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern – einfach nur mit Deinem „Sein“.
Schon bei der Heimfahrt stand fest, dass wir Dich zu uns holen wollen. Du hast mein Herz im Sturm erobert, Du kleiner Schlawiner.
Beim Studieren der Quarter-Horse Papiere ist uns aufgefallen, dass Du zu Jac blutsverwandt bist. Und doch: ihr seid so grundverschieden, wie es nur möglich ist. Nicht nur vom Charakter her, auch vom Körperbau.
Du hast Dich prächtig entwickelt die ersten Jahre, hast uns aber trotzdem einige Rätsel bezüglich Deiner Gesundheit aufgegeben und mehrere Therapeuten und Tierärzte haben sich die Stallklinke in die Hand gegeben. Im Gegensatz zu Jac, der durch Rangeleien und seine Wildheit öfter verletzt war, waren es bei Dir diverse, diffuse Stoffwechselprobleme.
Einige Jahre später waren wir schlauer, Du hast eine Genmutation. Was hab ich mich um Dich bemüht, Ausbildungen gemacht, Kurse besucht, mich in den unterschiedlichsten Internetforen schlau gemacht.
Wo uns Jac ganz deutlich immer wieder auf die Dringlichkeit eines pferdegerechten Ausbildungsweges in Form der Altkalifornischen Reitweise hingewiesen hat, so hast uns Du auf den Weg zu artgerechter Haltung und Fütterung – back-to-the-roots – geführt.
Dein Anreiten mit 3,5 Jahren verlief völlig unspektakulär und gelassen. Die ersten Jahre, bevor Du gesattelt wurdest, haben wir viele Spaziergänge gemacht, manchmal hat Dich Kurt auch als Handpferd mitgenommen. Jac, der Besondere, hat Deine Gesellschaft aufgrund Deiner Gelassenheit geschätzt. Dein zweiter Name ist Geduld, nicht wahr?
Unter Artgenossen bist Du taff und man kann oft staunen über Deine Wendigkeit, die nicht wirklich mit der Optik Deines stämmigen Körperbaus übereinstimmen mag.
Du hast keine Figur wie eine Primaballerina, aber einen breiten Brustkorb, in dem ein wundervolles, starkes Herz schlägt. Auf Deinem Rücken sitzt man gern, ist er doch breit und bequem wie ein Kanapee. Menschen, die Dich nicht so oft sehen oder nicht besonders gut kennen, verwechseln Deine Gelassenheit manchmal mit Sturheit. Ich sage: Du sparst Energie! Hysterie ist für Dich ein Fremdwort, Du schaust dir etwas genau an, beurteilst korrekt und erst dann entscheidest Du, ob Flucht sich lohnt. Meist lohnt sie sich absolut nicht.
Und doch – wie gern Du über die Koppel saust, buckelnd im gestreckten Galopp!
Überhaupt scheint Bocken ein Hobby von Dir zu sein. Manchmal vergisst Du, sogar wenn man auf Dir reitet, den Rücken still zu halten und würdest gerne eine Runde bocken. Erinnert man Dich daran, dass jemand oben sitzt, fällt es Dir sogleich wieder ein, artig zu sein.
Ich habe ja den leisen Verdacht, dass Du uns so Deine Zufriedenheit und Lebensfreude mitteilen willst.
Menschen gegenüber bist Du ein überaus freundliches Pferdewesen. Betritt man Paddock oder Weide, kommst Du neugierig angetrabt. Spannend wird es, wenn sich Deine Körpermasse im Galopp bergab auf einen zu bewegt. Doch Deine Einschätzung hat Dich noch nie getäuscht und Du hast immer früh genug die Bremse gezogen.
Viele Stunden haben wir gemeinsam mit dem Tierarzt in Deiner Box verbracht. Deine Stoffwechselprobleme und Allergien haben uns zusammengeschweißt. Als ob Du spüren würdest, wie sehr wir uns bemühen, Dir zu helfen, hältst Du still und bist geduldig und wohlerzogen bei der Behandlung.
Einige schlaflose Nächte vor Sorgen sind ins Land gezogen und Deine Art, mir zu zeigen, dass alles okay ist, so wie es ist, lässt mich staunen. Kommt man nächsten Tag in den Stall, wo am Vortag der Veterinär noch an Deiner Seite stand, funkeln Deine dunklen Augen mich an, Du beschnupperst meine Hand und schnaubst tief durch. Dein Blick scheint zu sagen: „Es geht mir gut, sorge dich nicht so viel!“ Überhaupt scheint Dein Lebensmotto zu sein: „Die Welt ist gut, das Leben ist schön.“ So ist mein Woody. Eine Seele von einem Pferd, sanftmütig, manchmal ein klein wenig frech aber dennoch unendlich geerdet.
Uns verbindet eine spezielle Freundschaft. Wenn man so viel gemeinsam durch dick und dünn geht, dann haben nicht die Stunden auf Deinem Rücken Priorität für mich. Es sind die besonderen Momente mit Dir, unsere täglichen Rituale. Wenn ich am Morgen meine Nase in Dein weiches Fell hinter Deinen Ohren stecke und Du an meiner Hand riechst, wenn Du mich spüren lässt, wie wichtig ich bin in Deiner Nähe. Weil Du mein Freund bist und der Freund des Besonderen, und weil Du mir gut tust.
Vor ein paar Jahren haben wir Dich in die Vollpension geschickt, auch, wenn Du jünger bist als Jac. Es war die richtige Entscheidung für Dich und für mich. Du darfst hier bei uns – gemeinsam mit Deinem Freund – einfach wohnen, über die Koppel sausen und bocken, so viel Du willst.




„I´m a Hollywood Jac“ – kurz: „Woody“ – American Quarter-Horse









