Wurzelstöcke und Baumkronen

Fragen, die noch immer gültig sind

Ein Video, das ich vor einem Jahr erstmals gesehen habe, geistert noch immer in meinem Hinterkopf herum. Nicht nur wegen dem musikalischen Genuss, auch wegen den beeindruckenden Bildern! Und in erster Linie stellt Michael Patrick Kelly Fragen! Fragen, die mich auch heute noch berühren und mir keine Ruhe lassen. Fragen, die wohl nie an Gültigkeit verlieren werden, solange es Menschen gibt. Fragen, die noch immer gelten, ein Jahr nach dem ersten Lockdown.

Aufgezeichnet wurde das Konzert anlässlich des Corona-Lockdowns im April 2020 im Kölner Dom auf Einladung des Domprobstes Gerd Bachner. Michael Patrick Kelly hat sich für dieses Konzert zwei Gäste eingeladen: Mo Trip und Jennifer Haben.

Michael stellt folgende Fragen:

  • Wo bist du? Bist du hier?
  • Man nennt das hier doch ein Gotteshaus. Was ist los mit der Welt?
  • Ich fühle mich wie in einem Science-Fiction Film. Ein winziges Virus bringt die Welt zum Zittern und trifft uns alle gleich – Reiche und Arme, Mächtige und Kleine.
  • Waren wir zu selbstsicher, zu egoistisch, zu gierig? Zu machtgetrieben?
  • Wie verwundbar wir doch alle sind und irgendwie widersprüchlich. Wir erobern das Weltall, aber auf der Erde haben wir nicht mal genug Schutzmasken, Krankenbetten und Beatmungsgeräte.
  • Und was ist mit den anderen Viren, die wir ignorieren?

*Alle vier Sekunden stirbt ein Mensch an Hunger *25.000 Menschen pro Tag – who cares? *derzeit sind über 70 Millionen Menschen auf der Flucht *es gibt um die 25 blutige Kriege und wir machen ein Geschäft daraus, wir produzieren und liefern weiter Waffen *den Planeten machen wir weiter zur Müllhalde, ohne zu merken, dass wir Menschen schon mit auf der Liste der bedrohten Arten stehen

  • Hast du nicht dieses Universum erfunden?
  • Und uns?
  • Haben wir trotz allem noch eine Chance?

Auf den Link klicken – hier geht´s zum halbstündigen Konzert!

Michael Patrick Kellys Lockdown-Konzert im Kölner Dom – Pop und Musik – Unterhaltung – WDR

  • Bist du da? Die Welt ist so laut und deine Stimme ist so leise.
  • Können wir kurz reden?
  • Für so viele Menschen da draußen ist es gerade einfach nur dunkel.
  • Da kursiert ein anderes Virus, das ist viel älter als Covid-19, dieses Virus heißt Verzweiflung. 800.000 Menschen nehmen sich jedes Jahr aus Hoffnungslosigkeit das Leben. Ich kenne das Gefühl, in dieser Dunkelheit war ich auch schon mal. Eigentlich war ich nicht da, ich war nirgends.

Aber du warst da. Du warst da!

News

Offen gesagt

Ein großer Koffer und eine Reisetasche würden schon im Schlafzimmer bereit liegen. Alle wichtigen Dokumente und Tickets würden gut sortiert, und wahrscheinlich in Klarsichthülle geschützt, neben der Handtasche startklar bereit liegen. Vorher wären noch einige Stunden an der Waschmaschine und am Bügelbrett verbracht worden und die letzten Instruktionen an die Töchter und die Freundinnen gegangen, die sich um die Pferde und den Hund kümmern würden.
Abflug Flughafen München morgen früh.
So lange ersehnt, diese Reise! So gut vorbereitet das Sightseeing. Pünktlich zur silbernen Hochzeit mittendrin im Herzen von Irlands Hauptstadt Dublin.

Unser erster Weg hätte bestimmt Richtung Temple Bar geführt. Am pulsierenden Nachtleben Dublins dichtgedrängt mit vielen anderen Touristen teilhaben, bei ein oder zwei guten Guinness, mit kleinen Schaumbärtchen an der Oberlippe, den malzigen, etwas süßen Geschmack im Kultlokal Temple Bar genießen. An einem kleinen Tisch vor dem Pub die Menschen beobachten, der Live-Musik von irischen Bands lauschen, einen Hauch von meiner Lieblingsband U2 erahnen, so wäre es wohl wunderschön bis spät nach Mitternacht. Wir könnten unser Englisch wieder aufpolieren bei der Unterhaltung mit Einheimischen und ein Glas bester Whiskey würde uns die Zunge lockern.

Am nächsten Tag wäre ich schon sehr neugierig auf St. Patrick’s Cathedral. Sie ist die größte Kirche Irlands und ist das Wahrzeichen von Dublin. Die Kathedrale ist sagenhafte 91 Meter lang und wurde im Jahre 1191 errichtet. Der Schriftsteller und einstige Dekan Jonathan Swift, der unter anderem Gullivers Reisen verfasste, hat hier seine letzte Ruhestätte gefunden. Weiter würde es in Turnschuhen und bequemer Kleidung, mit einem kleinen Rucksack am Rücken, Richtung
Dublin Castle gehen. Das imposante Stadtschloss nimmt einen wichtigen Part in der Geschichte Dublins ein. Das Schloss inmitten der Altstadt stammt aus dem 10. Jahrhundert.
Nach einer gemütlichen Rast in einem guten Restaurant, mit Bedienung und ohne Maske, würden wir aufbrechen zu einer meiner liebsten Besichtigungen:
Das Trinity College mit allem, was dazugehört. Eine der weltweit ältesten Universitäten, welche 1592 eröffnet wurde. Jetzt, während ich das schreibe, stockt mir vor Aufregung der Atem, wenn ich an das absolute Highlight des Colleges denke – die Trinity Library mit dem Long Room. Dieser befindet sich innerhalb der Bibliothek und ist fast 65 Meter lang und beherbergt zahlreiche alte Bücher und Schriften von ungemeinem Wert.
Wenn ich meine Gedanken so weiterspinne, würde ich wahrscheinlich dort irgendwo Platz nehmen und diesen Anblick in mich einsaugen, würde gleichsam am Liebsten alle Bücher in die Hand nehmen, darüber streichen, den Duft einsaugen und mein Herz würde mir bis zum Hals schlagen. Nur wenige verstehen solche Emotionen wegen Büchern, mein Mann würde es verstehen!

Es bleibt weiter anzunehmen, dass ich im Anschluss an dieses wunderbare und einzigartige Erlebnis, etwas Hochprozentiges zu mir nehmen muss. Was bietet sich da besser an, als ein Besuch der Old Jameson Destillery. Hier hätten wir eine Führung mit anschließendem Whiskey-Tasting.

Nachdem dies ein sehr aufregender Tag in Dublin wäre, könnten wir am kommenden Tag eine kleine Auszeit gebrauchen und uns die Küste anschauen.
Der Weg würde uns in den einstigen Fischerort Howth führen, eine nettes Fleckchen Erde Irlands.
Oder auch eine kleine Wanderung entlang der Klippen Richtung Leuchtturm. Wer mich kennt weiß, dass ich das Meer und Leuchttürme liebe. Die steile Küste und die Aussicht vom Cliffwalk über das Meer dürften fantastisch sein.
Achja, oder wie wär´s mit etwas Mystik in Irland? Das gehörte doch auch dazu, finde ich. Am Besten in Glenn Dá Locha – das Tal der zwei Seen. Mitten in den Wicklow Mountains, ca. 50 Km südlich von Dublin. Hier liegt die alte irische Klosterruine und der alte Friedhof. Die Klostersiedlung in Glendalough ist die berühmteste und die wohl Schönste in ganz Irland. Oder aber auch Schloss Malahide Castle besichtigen, das inmitten seiner 100 Hektar großen Gärten thront.

Ganz begeistert bin ich von Irland, von Dublin und der Umgebung.


WENN ich denn auch dort WÄRE!
Letztes Jahr ist die geplante Reise anlässlich unserer Silberhochzeit dem Lockdown zum Opfer gefallen. Ich habe den Städtetrip dann auf dieses Jahr verschoben. Morgen wäre es so weit gewesen. WENN da nicht noch immer Corona wäre.
Eigentlich wären wir morgen in Dublin, sozusagen würde sich für mich ein Traum erfüllen. Streng genommen bin ich aber daheim und sehe mir in Wirklichkeit ein Foto von der Trinity Library mit dem Long Room an. An und für sich lässt sich so eine Reise sicher in einem anderen Jahr nachholen. Aber offen gesagt hängt mir dieses ewige Abwarten, Verschieben, Maskieren, dieses „anderen-nicht-mehr-nahe-kommen-können“, diese fehlende Herzlichkeit schon ziemlich dezent zum Halse raus.


Aber da ich nicht undankbar sein will, freue ich mich eben auf zwei Fixtermine heuer im Juli und im Spätsommer:
Ein Kursplatz für ein Wochenende zum Thema Kreatives Schreiben in der Oberpfalz und ein weiteres Schreibseminar Im Schreiben Ruhe und Kraft finden an einem See warten auf mich.

Bis dahin schau ich mir die Bücher in der Trinity Library am Foto an!

Fabelwesen

Beltane und ihre Pferde

Beltane holte Pfeil und Bogen aus dem Schuppen, band geschickt mit einem grünen Samtband ihre wilden roten Locken im Nacken zusammen und ging zu den Stallungen. Die Holztür knarzte und die Pferde im Stall richteten aufmerksam ihre Blicke auf sie. Elwood wieherte leise und scharrte mit einem Vorderhuf.
„Elwood, wir haben einen Auftrag! Du weißt es schon, oder?“ Beltane lächelte und klopfte dem prachtvollen Tier sanft den Hals. Der Hengst schüttelte sachte den Kopf auf und ab, seine Muskeln spannten unter dem glänzenden Fell und seine Nüstern waren geweitet.
Beltane öffnete nun alle Tore und die Pferde folgten ihr langsam ins Freie. Die Frau war in ein langes pinkfarbenes Kleid gehüllt und an einer Kordel um die Taille hing ein großer Leinenbeutel. Sie richtete den Blick Richtung Dach des Stallgebäudes und pfiff mit zwei Fingern.
„Falco, du kommst auch mit!“ Mit einem rauen Rufen landete der Wanderfalke auf Beltanes Schulter.
Athletisch schwang sich die Frau auf Elwoods Rücken, hielt sich mit einer Hand an den Mähnenhaaren des Pferdes, drückte sachte ihre nackten Fersen an seinen Bauch und so setzten sich alle langsam in Bewegung.
„Du weißt, was zu tun ist? Gib mir immer ein Zeichen, mein Guter.“


Beltane richtete sich den Bogen, der mit dem Pfeilköcher über ihren Rücken hing, blickte den Falken auf ihrer Schulter von der Seite an und schnalzte mit der Zunge. Elwood gehorchte auf das Zeichen, galoppierte an und ein Dutzend Pferde folgte dem Leithengst.
So zogen sie in der Abenddämmerung über die Länder, mit wehenden Mähnen, donnernden Hufen und den Rufen des Falken. Beltane sang auf dem Rücken des Pferdes ein Lied in fremder Sprache und der Vollmond zeigte sich bereits am Horizont.
In der Nähe einer Kleinstadt verlangsamten sie ihr Tempo und erreichten einige Siedlungen. Elwood übernahm weiterhin die Führung, er näherte sich den Vorplätzen langsam, schritt durch Garteneingänge, hielt an und wartete ab. Die Einwohner kamen neugierig aus ihren Wohnungen, betrachteten die seltsamen Gäste und staunten. Viele waren spärlich gekleidet, hatten kranke Kinder auf dem Arm und wirkten verwahrlost. Elwood trat vorsichtig an die Kinder heran und mit seinen Nüstern blies er sachte seinen Atem über ihre Köpfe. Seine Augen leuchteten wie die Sonne und spendeten Trost und Zuversicht. Die anderen Pferde taten es ihm gleich und bald schon lachten und tanzten die Einwohner auf den Straßen und Plätzen. Falco zog einige Kreise über die Kleinstadt und landete anschließend wieder auf Beltanes Schulter.


Sie zogen weiter im Galopp in ferne Länder und Gebiete. Dort, wo Armut herrschte, hinterließen die Hufabdrücke der Tiere sofort fruchtbaren Boden. Der Schweiß, der den Pferden vom Fell tropfte, füllte ausgetrocknete Brunnen wieder mit quellklarem Wasser. In Gegenden, wo Menschen traurig und krank waren, schwebten besonders viele Schweif- und Mähnenhaare in die Lüfte. Diese Haare flochten sich die Bewohner in ihr eigenes und bald waren sie wieder mit Frohsinn und Hoffnung erfüllt.
Später in der Nacht erreichten sie eine noble Wohngegend mit pompösen Häusern und meterhohen Zäunen rund um deren Anwesen. Elwoods Atem beschleunigte sich, er stampfte mit dem Vorderhuf, stieg und wieherte laut. Falco hob sich in die Lüfte und schrille Warnrufe weckte die Menschen aus ihren Betten, die anschließend wild gestikulierend in noblen Nachtgewändern umherliefen. Beltane konnte es riechen, hier waren Macht, Gier und Respektlosigkeit zuhause. Hier lebten Menschen, die Tiere und die Natur nicht achteten. Flink griff sie nach dem Bogen und schoss gezielt ihre Pfeile auf Ferse und Knie, die die Verletzten am Davonlaufen hinderten. Die Pferde sprangen über die Zäune, zerstörten Gärten und Wohnräume und hinterließen große Verwüstung.

Der Vollmond stand hoch am Himmel, als sie dem Flug des Falken folgend in ein entferntes Land gelangten. Beltane verstreute aus ihrem Leinenbeutel Kardamom, Salbei und Veilchenwurzel, Moschus und Myrrhe. Elwood brummelte und wieherte leise und die Menschen erfüllte tiefe Liebe, Sinnlichkeit und Fülle.

Und so geschah es, dass sich in der Vollmondnacht vor dem ersten Maitag Himmel und Erde vereinten, die Menschen sich wieder liebten, Kranke geheilt wurden, die Erde wieder fruchtbar und heil war und Kriege, Pandemien, Hungersnot und Elend keinen Platz mehr fanden.

Beltane und ihre Pferde – Der Versuch, ein Märchen zu schreiben 🙂