Private Wiese

In die eigene Seele abtauchen

Mein letzter Blogeintrag im Jahr 2018 enthält einige “ unbezahlte Werbeeinträge“, da ich aus Büchern zitiere und einige Quellen anführe.

In den Raunächten, das ist die Zeit zwischen den Jahren, widme ich mich täglich ganz bewusst der Rückschau und der Vorschau aufs neue Jahr. Die zwölf heiligen Nächte ergeben sich astronomisch durch den rechnerischen Unterschied zwischen Mond- und Sonnenjahr. Der Mond benötigt 29,5 Tage für seinen Umlauf, zwölf mal im Jahr umkreist er die Erde – das ergibt also 354 Tage. Hier fehlen also zwölf Tage (die sog. Raunächte) auf das Sonnenjahr.

Ich darf hier Christine Fuchs zitieren, sie schreibt in ihrem Buch „Räuchern in Winterzeit und Raunächten“: ….. „Der Winter ist körperlich wie seelisch eine anstrengende Zeit. Der Körper schaltet auf Winterschlaf um, der Organismus verlangsamt. Die Seele möchte es nun eher gemütlich, heimelig und warm. Wir lieben Kerzenschein und den Platz am Kamin. ……..Die Zeitqualität des Winters macht uns das persönliche Innehalten leichter. Genau jetzt ist der richtige Zeitpunkt für Stille und Rückzug. Das Räuchern unterstützt das. Wir tauchen in die winterliche Jahreskreis-Themen ein und finden dabei oftmals erstaunliche Inspirationen und Antworten auf tiefgründige persönliche Fragen. Wir tauchen ein in den inneren Seelenraum…….“

Das Ritual des Ausräucherns von Hof, Stallungen und Haus während der Raunächte wird bei mir daheim seit Jahren gelebt. Ganz früher, am Bauernhof meiner Mutter z.B.,  war das nicht nur Brauchtum, die Tiere und Menschen sollten dadurch auch von krankmachenden Geistern, Dämonen und schlechten Energien während der Wintermonate verschont bleiben.

Ich genieße diese Zeit gerade sehr und setze mich täglich hin. Lasse das vergangene Jahr Revue passieren (was war gut, was war traurig, was hat mich verletzt?) und halte Vorschau auf 2019 (was möchte ich anders machen, wo soll mein Fokus liegen?). Unterstützend arbeite ich dazu gerne mit Kartensets, sie regen meine Kreativität an und lassen mich eintauchen in eine andere Welt. Manchmal beantwortet so eine Karte sogar meine offenen Fragen und mit einem Lächeln im Gesicht wird mir vieles klarer. Meine Gedanken zu den Tagesthemen schreibe ich in einem eigenen Raunachtstagebuch nieder und es macht auch unterm Jahr recht viel Freude, darin zu blättern. 

Vor ein paar Wochen habe ich mir das Kartenset „Weisheit der Vier Winde“ (www.WeisheitDerVierWinde.de) zugelegt. Ich kann diesen wunderbaren Schatz nur allen empfehlen, die gerne auf eine Reise in die eigene Seele abtauchen möchten, einen Wegbegleiter suchen, der kraftvoll und zugleich sanft und einfühlsam unterstützt. 

Zusätzlich ist noch Katharina Waibel seit Jahren an meiner Seite – „WildesWeiberWissen“ (https://www.wildesweiberwissen.at/wildes-weiber-wissen/) – sie entführt mich in meine geliebte Welt der Kräuter!

Ich möchte euch gerne einladen, in die magischen Nächte einzutauchen und ein uraltes Ritual zu zelebrieren. Mich bereichern und erstaunen die Raunächte alle Jahre wieder aufs Neue. 

Bevor ich nun wieder mit Eisvogel, Weißdorn, Albatros, Seepferdchen und Sanddorn.… auf die Reise gehe, wünsche ich euch ein angenehmes, gesundes, glückliches Jahr 2019! Ich freue mich, wenn ihr meinem Blog weiterhin treu bleibt, mir „folgt“, und hoffe, dass mich im nächsten Jahr die Muse wieder vermehrt küsst und einige Kurzgeschichten oder Lyriktexte aufs Papier 😉 / auf die Blogseite kommen. 

eure Manuela

raunu00e4chte

Mondgöttinnen

Walpurgisnacht

Kapitel 5

Ihre Hand streicht immer wieder langsam über die zusammengerollte Tageszeitung. Im Hintergrund hört sie die Pendeluhr – „tick, tack, tick, tack“. Das Feuer knistert im Kamin und die Flammen malen rote und orange Farbschattierungen an die gegenüberliegende Wand. Sie hört die Haustüre ins Schloss fallen, endlich ist Sophie vom Spaziergang zurück.
„Möchtest du Tee? Ich habe gerade den Kessel aufgesetzt.“ Katharina nimmt ihrer Tante den Mantel ab. „Das ist sehr lieb von dir, danke.“
Sie setzen sich an den Tisch, wie zufällig legt Katharina die Zeitung zwischen die Teetassen. Sophie schmunzelt.
„Wieder was gefunden?“
„Ja, sieh auf die vorletzte Seite, da steht es!“
Sophie umschlingt mit beiden Händen die warme Teetasse, Altersflecken sind deutlich zu sehen, aber die Haut auf ihren schlanken Gliedern scheint wie aus Pergamentpapier zu sein, zart, dünn und kaum Falten.
„Willst du es gar nicht lesen?“, fragt Katharina ungeduldig.
„Ich weiß doch, was drin steht. Ist ja immer derselbe Text“, antwortet Sophie mit einem Lächeln.
Katharina nimmt die Ecke der Platzdecke aus buntem Stoff zwischen Zeigefinger und Daumen, rollt sie kurz zusammen, streicht sie glatt, rollt sie zusammen … Ihre Augen sind auf den dampfenden Tee gerichtet. Sie atmet tief durch:
„Du könntest ja mal antworten zur Abwechslung, wieso lässt du alle im Ungewissen?“, fragt sie leise.
Sophie greift nach der Hand ihrer Nichte, streichelt sanft über den Handrücken und verhindert so, dass Katharina ständig die Platzdecke zerknüllt.
„Tick, tack, tick, tack.“
„Ich lege nochmals nach, es soll heute Nacht stürmisch werden.“ Sophie erhebt sich und holt Holzscheite aus dem geflochtenen Korb in der Nähe des Ofens.
Langsam räumt Katharina den Tisch ab, schlägt die letzte Seite der Zeitung auf und verlässt den Raum.

Am nächsten Morgen liegt das Journal immer noch unberührt da. Beim Frühstück reden die Frauen belanglos über das Wetter und die bevorstehende Vollmondnacht.
Anschließend holt Sophie einige Papiertüten und Gläser, gefüllt mit Räucherharzen und Kräutern, aus dem Keller, nimmt den schweren Steinbehälter mit dem Stößel aus dem Regal und macht es sich am Küchentisch gemütlich.
„Kann ich dir behilflich sein, Tante?“, fragt Katharina. Langsam schüttelt Sophie den Kopf.
„Das ist nicht nötig, Liebes. Aber tu mir doch den Gefallen und hole aus meinem Kleiderschrank die alte Holzkiste, die ganz unten steht.“
Sophie mischt Kräuter, Samen und Harze in dem Steingefäß und mörsert leise vor sich hinsummend. Duftschwaden erfüllen den Raum, es riecht nach Myrrhe, Kardamom, Salbei und Moschus.
Katharina kehrt mit der alten Kiste zurück und nimmt den angenehm würzigen, sinnlichen Duft wahr.
„Willst du sie nicht öffnen?“, fragt Sophie.
Katharina versucht sich am zierlichen, verrosteten Vorhängeschloss, es ist jedoch zwecklos.
„Sie ist ja verschlossen. Wie soll ich sie öffnen?“
Die Tante greift an ihre Halskette, an der, unter vielen anderen kleinen Anhängern, auch ein winziger Schlüssel hängt, den sie nun abnimmt und ihrer Nichte reicht.
Katharina ist nervös, schon immer wollte sie wissen, was sich in dieser Kiste verbirgt. Dass sich heute das Geheimnis plötzlich lüften soll, kommt völlig überraschend.
Leise knarzend hebt sich der Deckel. Eine Ansammlung von Zeitungsausschnitten liegt fein säuberlich gefaltet darin, daneben eine alte Herrenuhr und ein goldener Ring. Sie nimmt den Ring zur Hand und liest die Gravur in der Innenseite. „Sophie – 01.05.1967“. Langsam faltet sie die Papierseiten auseinander. Inserate aus den vergangenen Jahren, immer mit derselben Formulierung.
„Du kannst das Inserat von gestern kontrollieren. Es wird der gleiche Text sein, richtig?“ Die Tante ist noch immer mit ihrer Räuchermischung beschäftigt und zwinkert Katharina zu.
Das Knistern im Kamin wird zunehmend lauter, als ob die Holzscheite eine extra Luftversorgung bekommen hätten. Plötzlich dringt der Moschus- und Kardamomduft ganz intensiv an Katharinas Nase und fährt ihr wie ein Blitz in die Stirnhöhlen.
„Tick, tack, tick, tack.“
Katharina hat insgesamt fünfundzwanzig Seiten aufgeklappt, ihre Tante hat mit krummer Handschrift jeweils das Erscheinungsdatum darauf notiert.

VERMISST! Ich suche meinen Vater! Er war Pilot und ist wahrscheinlich im Raum Allgäu, Deutschland, geboren. In den Jahren 1970 bis 1980 war er für eine deutsche Fluggesellschaft tätig und ist regelmäßig in die USA geflogen. Seit Ende April 1980 ist er nicht mehr hier in Washington DC gesehen worden. Für nähere Hinweise bitte eine Mail an: mark.lewis@autornet.com

„Du musst ihm schreiben, Sophie!“ Katharina hält sich an der Stuhllehne fest, ihr wird schwindlig von dem durchdringenden Geruch und der Hitze im Raum.
„Den Teufel werde ich tun! Sein Vater war ein Mistkerl, er hat ein Doppelleben geführt und wahrscheinlich nicht nur mich betrogen. Ich werde früh genug entscheiden, ob ich ihm davon erzählen werde. Bald wird er hier eintreffen und wir lernen ihn kennen.“ Sophie lässt lautstark den Stößel auf den Tisch fallen und ihre Hände zittern.
Katharina setzt sich, sortiert die Zeitungsausschnitte und legt sie wieder sauber in die Kiste zurück.
„Wir werden ihn kennenlernen? Wann?“
„Noch in diesem Sommer, Katharina. Sobald Chiara wieder zurück ist. Es hat alles seine Richtigkeit, glaube mir.“
„Ihr habt also am 1. Mai 1967 geheiratet, morgen hättet ihr euren … 51. Hochzeitstag? Immer am Abend davor feierst du ein Ritual am Waldrand, wieso vor eurem Hochzeitstag, Sophie? Wenn er doch so ein Mistkerl war?“ Lange sehen sich die zwei Frauen über den Tisch hinweg an.
„Tick, tack, tick, tack.“
„Es war nicht nur unser Hochzeitstag, Liebes. In der Nacht davor, der Walpurgisnacht, habe ich endlich begriffen, dass ich betrogen werde. Und genau DAS feiere ich jedes Jahr.“
„Wir hatten beide nicht die besten Jahre, was Männer betrifft. Wird es für Chiara besser werden, Tante?“
„Ja, das wird es. Glaube mir!“ Sophie erhebt sich, geht um den Tisch herum und umarmt ihre Nichte herzlich.

Später am Abend machen sich die beiden Frauen auf den Weg zum Waldrand. Sophie trägt ein weites, knöchellanges Leinenkleid in Purpurrot, viele bunte Armreifen und Ketten klimpern bei jedem Schritt und ihr silbergraues, welliges Haar weht im Wind. Katharina ist in einen hellblauen Mantel gehüllt und trägt einen großen Korb gefüllt mit Holzscheiten, einem Glas mit der Räuchermischung, einer Thermoskanne und zwei Porzellantassen mit bunten Blumen darauf.
Sie halten an einem Lagerfeuerplatz, der kreisförmig mit Granitsteinen umrandet ist. Das Ritual der Walpurgisnacht wird jährlich im selben Ablauf zelebriert. Einige Frauen aus dem Dorf kommen ebenfalls anspaziert, schweigend nicken sich die Damen zu und packen ihre Körbe aus. Sophie entzündet das Feuer und lässt achtsam ein klein wenig Räucherware hineinrieseln.
Langsam wird es dunkel. Die Frauen wärmen sich an den Flammen und trinken heißen Punsch. Aus den Tassen steigt der Geruch von Waldmeister, Melisse, Johannisbeere, Salbei und Wein empor.
Manche Frauen tanzen um das Feuer, andere trommeln und singen eigentümliche Lieder. In der Mitte steht Sophie und lächelt, sie betrachtet den Nachthimmel und entfernt sich einige Meter von der Gruppe. Katharina folgt ihr schweigend.
An einem Felsvorsprung halten sie an. Ein laues Lüftchen weht und es riecht intensiv erdig. Sophie betrachtet aufmerksam den Felsen, hinter dem nun der Vollmond strahlend leuchtet.

„Tante, wohin ist dein Mann verschwunden? Leute im Dorf erzählen, du hättest … also du hättest was mit seinem Verschwinden zu tun. Du weißt schon …!“
Plötzlich hören sie ein lautes Jaulen in der Ferne. Ein Wolf stimmt in die Lieder der um das Lagerfeuer tanzenden Frauen ein.

„Die Antwort kennt nur der Wolf, meine Liebe!“

SONY DSC

Vergangene Woche ist dieser Text von mir auf  www.verdichtet.at  erschienen. Es ist eine weitere (Fortsetzungs-) Geschichte von den mystischen Frauen vom Waldrand.  🙂 

Private Wiese

Weihnachten in schwarz

Heuer trage ich an Weihnachten schwarz.

s ehnsüchtig
c hancenlos
h erzerwärmend
w ehmütig
a usgekämpft
r eglos
z ärtlich

Sehnsüchtig an viele Momente denkend, chancenlos, du kommst nicht wieder.
Herzerwärmende Erinnerungen an Tage am Meer, wehmütige Gedanken in mir.
Ausgekämpft hast du, zuletzt reglos – und doch – in zärtlicher Erinnerung an dich!

Heuer trage ich an Weihnachten schwarz.

sw-fotografie-thomas-schwellenbach-landschaft-40

Foto von:

http://www.thomasschwellenbach.de/sw-fotografie/sw-fotografie-schwellenbach-landschaft-40/

Private Wiese

Unser Kapitän

Uns Kindern warst du in den ersten Lebensjahren die Sicherheitsleine. Du hast uns das Schwimmen gelernt, damit wir über Wasser bleiben.

Dein Schiff hatte immer einen funktionstüchtigen Motor und ein gutes Echolot, um auch durch untiefe Gewässer steuern zu können und nicht zu stranden.
Du warst uns allen die helfende Hand, der aufmerksame Ratgeber, der Steuermann in ruhiger und stürmischer See.
Stets hattest du exakte Ziele und hast das Familienschiff sicher in den Hafen gebracht. Du warst der Kompass mit den klaren Wertvorstellungen, egal, ob Familie, Beruf oder Hobby – du hattest das Steuerrad souverän geführt!

Manchmal kam starker Wind auf, aber auch da hattest du mutig durch die Wellen gesteuert. Ein kluger Kapitän hat ein Gespür dafür, woher der Wind weht und wie das Wetter kommen wird. Immer war da ein Enterhaken, den du uns gereicht hast, wenn wir dringend ans Ufer mussten. Du warst die gut verankerte Boje, an der wir anlegen konnten.

Die letzten Jahre bist du in stürmische Gewässer gelangt, unser Steuermann ist in Seenot geraten.
Doch auch da hattest du es immer wieder geschafft, mit nur einem Ruder das Land zu erreichen und dich in Sicherheit zu bringen.
In unserem Seemann steckte ein Kämpferherz, das hat dich ausgezeichnet und darauf sind wir stolz.

Nach einem anstrengenden Törn die letzten Monate hat Papa nun seinen Zielhafen erreicht. Unser Steuermann und Kapitän ist zum letzten Mal und für immer vor Anker gegangen.

Danke für alles, Papa!                                                                       06. November 2018

crikvenica1

In liebevoller Erinnerung an meinen PapaDas Foto ist von meinem Bruder, aufgenommen bei einer Bootsfahrt, gemeinsam mit dem Papa,  in Kroatien 2018.

Wurzelstöcke und Baumkronen

Inspiration

Ich liebe den Herbst – ich kann mich gar nicht genug sattsehen an den Farben, sattriechen an den Düften, sattsaugen an der unglaublichen Ausstrahlung – vor allem im Wald! 

Gestern war ich mit meinem Freund Faith spazieren. Bei der Haustür raus, in den Wald hinein. Kann es schöner sein? 🙂 Ich bin täglich dankbar für meinen wunderschönen Heimatplatz.

Faith ist ein traumhaft guter Begleiter. Er redet nicht, quatscht mich nicht voll, stellt keine Fragen…. er ist nur an meiner Seite, still und freundlich. Nach einem Tag im Büro ist das sehr wohltuend. 

img_5057

So kann „frau“ die Seele baumeln lassen, die würzige Luft einatmen, durchatmen und sich inspirieren lassen……

img_5062

In meinem Kopf entstehen erste Texte, Gedichte. Wortfetzen schweben gedanklich durch die Lüfte, wie die Spinnwebenfäden, denen ich zahlreich begegnet bin.

img_5072

Ich setze mich auf einen Baumstumpf und schaue mit Faith ins Land hinein. Diese gedämpfte, sanfte Stille ist fast schon befremdlich, nach all dem Lärm den ganzen Tag. 

Wie gut, dass ich mein Notizbuch dabei hatte, Gedanken werden notiert, damit sie sich nicht wieder in Luft auflösen, bis ich daheim bin.

img_5074

Solche Spaziergänge im Herbstwald bereichern meine Kreativität sehr. Bin gespannt, was ich demnächst aufs Papier bringe 🙂 .

img_5081

Ihr werdet dann hier davon lesen. 

Ich wünsche euch noch einen schönen Herbst. Möge er uns noch lange erhalten bleiben.

Manuela