Ankommen, durchatmen, entrückt vom Alltag. Sich gerne Zeit nehmen und den Augen Erholung gönnen. Der Blick bleibt hängen an der sanften Berglandschaft, will sich nicht losreißen von den kuppenartigen, grasbewachsenen Berggipfeln gegenüber. Der fetzblaue Himmel ist gespickt mit watteweichweißen Wolkentürmen, zum Greifen nahe. Die Herzfrequenz fährt einen Gang herunter, angenehmer Ruhepuls auf 2.000 m Höhe. Mit einem kühlen Hopfengetränk, den Schaum von den Lippen leckend, nehmen wir vor der Almhütte Platz bei Familie und Freunden. Bereichernde, amüsante und auch tiefsinnige Gespräche, die Uhrzeit ist nicht mehr wichtig hier oben. Ein leichter Wind zieht um die Hütte, Lagerfeuerduft streichelt die Nase, man folgt ihm um die Ecke. Feuerzungen prasseln in die Höhe, rhythmisches Funkensprühen. In der Küche bereiten wir gemeinsam das Essen vor, Almluft macht hungrig und später auch müde. Der Schlaf bei offenem Fenster ist erholsam, kein Lärm hier oben, statt einem Klingelton wecken die Kuhglocken. Frostklirrendes Gebirgsquellwasser aus dem Wasserhahn erfrischt müde Knochen in der Früh. Der Tisch ist bereits mit selbstgemachten Köstlichkeiten gedeckt, die Gastgeberin hat noch eine Vase mit Almblumen arrangiert. Später spazieren wir über sanfte Almmatten an Kuhschelle, Hauswurz und Speik vorbei, ihr herbwürziger Baldriangeruch begleitet uns. Kühe liegen wiederkäuend auf den Wiesen, manche marschieren aber auch langsam neben uns her und starren uns, wie fragend, an. In der Ferne sehen wir Murmeltiere, sie sitzen hoch aufgerichtet und pfeifen schrill – um dann, Tier für Tier, im Bau zu verschwinden. Die Nachmittagssonne wärmt unsere vom Wandern etwas trägen Beine, jeder hat hier eine Lederhose an, Tradition und Brauchtum in den Bergen. Aus der Hütte dringt der warme melodische Klang der Ziehharmonika, irgendwer greift sich die Teufelsgeige und begleitet im Takt. Wir stecken uns gegenseitig an, necken uns, lachen, singen, tanzen. Der Hund von Freunden liegt in der Mitte, immer mal wieder streichelt jemand das weiche Fell. Schmetterlinge tanzen in der Luft zur Musik, setzen sich keck auf nackte Füße oder gleich direkt ans Ohr, auf Arme und Beine, sie laben sich an unserer salzigen Haut. Die Gastgeberin stimmt das Lied „Freindschoft“ an, wir lauschen dem Text. „Mit euch kann man feiern, mit euch kann man lachen, mit euch kann man tanzen und viel Blödsinn machen….!“ Die Sonne schickt ihre letzten Strahlen und pünktlich erscheinen über der vor uns liegenden Bergkuppe die Stuten mit ihren Fohlen, sie kommen täglich um dieselbe Uhrzeit. Gepunktete Norikertigerschecken, hunderte schwarze Punkte auf weißem Fell. Sie kommen direkt ans Gatter, spitzen die Ohren, lauschen und beobachten uns. Ein herzerwärmender Anblick bei Sonnenuntergang.
Ein großes Dankeschön an meine liebe Schwägerin und meinen Bruder, dass wir immer wieder mal kommen dürfen zu eurem Kleinod in den Nockbergen. Gemeinsam mit euch und der Familie und Freunden diese Stunden zu verbringen, ist ein großes Geschenk.
Wir hatten heuer großes Wetterglück am ersten Mai, einem Feiertag, oder – wie er auch heißt – „Tag der Arbeit!“ Um diesen schönen Frühlingstag dem Namen entsprechend zu würdigen, setzte ich mich am Vormittag vor den PC und habe die Steuererklärung abgegeben – Tag der Arbeit. Mein Mann hat während meiner Bürostunden eine Mountainbiketour gestartet. Wir haben am Vortag bereits den Feiertag und die erste Grillerei des Jahres geplant und ich das Biofleisch aus der Region mit Kräutern aus dem Garten und Gewürzen delikat mariniert.
Der Mann parkt sein Bike gleich im Garten bei der Veranda und heizt, noch im Fahrraddress, den Griller an. „Ups, knapp wenig Kohle, aber wird schon klappen!“, war sein Kommentar. Ich pflücke den ersten grünen Salat des Jahres aus dem Hochbeet und bringe ihn mit Kräutern in die Küche. Im Hintergrund läuft der Fernseher und ich höre einige Reden von Politikern zum Maifeiertag. Eine Ansprache – besser ausgedrückt, eine Anschreie – eines Oppositionspolitikers ist herausragend bizarr und aufgrund dieser desolaten Rhetorik fällt mir glatt das Messer aus der Hand und landet knapp neben dem Barfußzeh. Das Fernsehgerät wird prompt ausgeschaltet und zur Erleichterung dringt das vergnügte Vogelgezwitscher durch die offene Verandatür.
Der Mann erscheint nun geduscht und umgezogen in kurzer Hose und T-Shirt auf der Bildfläche und macht sich am Tag der Arbeit über den Griller her. Wie in all den letzten dreißig Ehejahren stehe ich selbstverständlich mit Grillzange, kühlem Bier und Grillfleisch parat. Wenn ich schon mal befreit bin von den Mühen des Kochens, will ich meinem am Feiertag arbeitenden Mann natürlich gerne helfen. In der Zwischenzeit bereite ich den Salat und das Baguette vor. Mit salatölfettigen Fingern öffne ich die Gefrierfachtür des Kühlschranks und will die Tupperware mit Petersilie herausholen. Hätte ich vorher die Hände gewaschen, wäre nicht passiert, was dann passiert ist. Der Kunststoffbehälter landet auf dem Fliesenboden der Küche, der Deckel springt auf und die Petersilie verstreut sich über den Küchenboden. Nun gut, ein kleiner Rest ist im Behälter geblieben, den ich für das Salatdressing herausnehme. Damit das leckere Grün nicht auftaut, wird es sofort wieder im Gefrierfach verstaut – leider wieder mit den nicht gewaschenen Fingern. Die missliche Lage wiederholt sich ein weiteres Mal, diesmal geht die Tupperware aber zu Bruch. „Dauert nicht mehr lange, bin gleich fertig!“, ruft der Mann aus dem Garten.
Auf allen vieren und mit Bodenwischtuch befreie ich den Küchenboden von dem Malheur und beeile mich, damit der Mann nicht warten muss mit dem Essen. Immerhin scheint er hungrig zu sein, nach seiner Fahrradtour und der harten Arbeit am heißen Griller. Im hinteren Teil des Kühlschranks krame ich ein Geschenk von Bekannten heraus, die uns vor drei Wochen einen Besuch abgestattet haben. Mit den Worten: „Ein geschmacklicher Gruß aus unserer Region!“ (Anmerkung: Region Schwaben, DE) wurde uns das Geschenk freudig überreicht. Fünf Gläser mit feinen Grillsoßen. Als ich diese auf einem Tablett anrichten und auf die Veranda tragen will, fällt mein Blick auf die Ablaufdaten. Ich mache kehrt und suche nach Alternativen. Die köstlichen Geschenke der Region Schwaben sind vor einem halben Jahr abgelaufen. „Kannst kommen! Nimm noch Bier mit, bitte!“, tönt es aus dem Garten.
Erholt, weil ich heute nicht kochen musste, setze ich mich an den gedeckten Verandatisch und lasse mich von meinem Mann bedienen. Er hat sich wieder einmal selbst übertroffen, die Grillerei am 1. Mai schmeckt köstlich! „Hörst du ihn auch?“, fragt er mich. „Den Kuckuck? Ja, der ruft schon seit der Früh aus dem Wald. Der will heute gar nicht mehr aufhören.“ Ich erzähle meinem Mann die unterschiedlichen Bedeutungen des Kuckuckrufs: so gilt dieser als Zeichen für den Beginn des Sommers. In der europäischen Folklore gilt der Kuckuck als Symbol für Fruchtbarkeit und Liebe. „Der Kuckuck wird aber auch oft als Symbol für Betrug und Täuschung verwendet,“ wendet mein Mann ein. „Nun, dann hat der Kuckuck im Wald wohl heute der Ansprache des Politikers im Fernsehen gelauscht und will uns warnen!“, erkläre ich. Wir müssen beide lachen und nehmen einen kühlen Schluck vom Gerstensaft.
Vor über zwanzig Jahren hatten die Ehemänner, meiner eingeschlossen, unseres Freundinnenquartetts eine herausragende Idee: uns wurde ein gemeinsames Wochenende „Wellnessen“ geschenkt. Frauen, die etwas in die Jahre kommen, wo die Kinder aus dem Gröbsten raus sind und die mal auf „Runderneuerung“ fahren wollen, freuen sich natürlich sehr über diese noble Geste. Knapp über dreißig-jährig waren wir vier Ladies damals und die Angebote der hiesigen Wellnesshotels an Kosmetikbehandlungen, Massagen und das ganze Drumherum mit Pool und Saunen haben uns schwer begeistert. Unser Motto: Gemütlich solls sein, erholsam und natürlich kann man auch gerne von den diversen Behandlungen profitieren – Frau will wieder verschönert und runderneuert werden. Ob unsere geschätzten Männer damals ahnten, dass dies keine einmalige Sache bleiben wird, wissen wir bis heute nicht und hinterfragen das auch besser nicht. Mit Ausnahme der drei Pandemiejahre waren wir somit gesamt achtzehn Mal in unterschiedlichen österreichischen und bayrischen Hotels einquartiert.
Wäre ich eine Influencerin, hätte ich vielleicht ein wenig daran verdienen können. Tatsächlich ist es aber so, dass kein Hotel eine über fünfzigjährige Frau, die bereits Großmutter ist, als Influencerin anfragt. Ohnehin wäre ein Foto von mir im Bikini vor dem Pool und der Hotelfassade kaum Werbung für das Unternehmen. Die Sache mit dem Business auf Social-Media lasse ich also lieber bleiben.
Insgesamt wurden wir in allen Hotels freundlich begrüßt und hatten durchwegs ausgezeichnete Küche. Im Laufe der Jahre haben sich jedoch unsere Prioritäten verändert. Von zu Beginn etlichen Buchungen für Massagen und Beautyanwendungen, bevorzugen wir jetzt eher die Stille in den Ruheräumen zum Lesen und Erholen. Wobei uns schon aufgefallen ist, dass manche Hotelgäste das Wort „Ruheraum“ nicht allzu ernst nehmen. Auf den Liegen wird geratscht, mit Rascheltüten in der Hand Essen verzehrt, es werden Videos am Smartphone angeschaut und manchmal kommt es sogar vor, dass telefoniert wird. Von unseren vier Liegen hört man maximal ein Blättern im Buch, oder ein leises Schnarchen – wobei das Schnarchen nur bei fünfzig Prozent des Quartetts vorkommen kann, also quasi nicht erwähnenswert ist. Aber gut, wir sind ja im Ruhemodus und regen uns über den Lärmpegel der Mitgäste nicht auf. Überhaupt sind wir vier Damen sehr umgängliche und angenehme Gäste, haben keine Extrawünsche und sind sehr anpassungsfähig. Was mich dennoch in einem Hotel etwas stutzig gemacht hat, waren die fix angebrachten Diebstahlschutzsicherungen an allen Kuscheldecken des Ruheraumes. Ich hatte, ehrlich gesagt, bis dahin noch nie darüber nachgedacht, mir eine Decke mit nach Hause zu nehmen?! In meinem Koffer wäre da überhaupt kein Platz dafür?!
Die ersten Jahre in der Beautyabteilung ist es schon mal vorgekommen, dass man bei einer Detoxganzkörperpackung zwei Tage lang riecht wie ein Fisch, Algen helfen, den Körper zu entschlacken und das Hautgewebe zu unterstützen sowie die Durchblutung und den Stoffwechsel anzuregen. Wenn man da eine halbe Stunde in der Versenkung schwitzt und hofft, dass die Kosmetikerin einen nicht vergessen hat, können dreißig Minuten ganz schön lang werden. Vor zwanzig Jahren war ich auch noch eine gute Kundin für den Einkauf an der Theke der Kosmetikabteilung. Ich wollte all die Salben, Seren und Cremes für das heimische Badezimmer kaufen, um Falten vorzubeugen und das Jahr, bis zum nächsten Wellnesstermin, möglichst straff überstehen. Leider kamen bei der Bezahlung der Hotelrechnung mit den zusätzlich sehr kostspieligen Pflegeprodukten die Sorgenfalten prompt zurück und ins Auto stieg ich dann jeweils mit ziemlich erblasster Gesichtsfarbe. Fazit: heutzutage bleibt manchmal sogar ein Probepäckchen einer Salbe aus Versehen liegen.
Nachdem wir unter tags bei unseren Aufenthalten viel Zeit für Ruhe und Entspannung aufbringen, kann es vorkommen, dass wir abends eine beachtliche Ausdauer für gutes Essen, angenehme Gespräche und den Baraufenthalt vorweisen können. Bei irgendetwas muss sich die angesammelte Energie ja entladen. So wird (aus Macht der Gewohnheit) beispielsweise der leere Suppenteller zur Küche getragen, wenn frau auf dem Weg zum Salatbuffet ist. Daheim verlässt man den Tisch ja auch nicht, ohne abzuräumen. Gut – dieses Versehen ist mir ein einziges Mal passiert – wird nicht mehr vorkommen, versprochen. Dabei waren wir sogar schon mal in einem Hotel, das als Servicepersonal einen Roboter einsetzt, leider nur zum Wegtransportieren von Geschirr, Bestellungen nahm er keine entgegen, obwohl unsere Kehlen ziemlich ausgetrocknet waren. Das Personal in jenem Haus war recht beschäftigt mit dem Bestücken des Robotertabletts, damit er dieses in die Küche bringen kann. Ehrlich gesagt etwas befremdlich so ein Technikteil, wenn es durch den Restaurantbereich kurvt, denn in diesem Haus ist alles über die Maßen großzügig mit bunten Plastikblumen, glitzernden Tapeten an den Wänden und goldenen Lüstern dekoriert. Über die Dekorelemente des Hotelzimmers werde ich hier nicht näher berichten, denn über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten.
Wie eingangs erwähnt, wurden wir in wirklich allen Hotels ausgezeichnet verköstigt, und zu einem guten Abschluss des Tages gehört natürlich ein Besuch in der Hotelbar. Und da tun sich Gräben auf!! Nicht bei uns, nein, wir sind ja, wie bereits beschrieben, angenehme Gäste! Aber dass in einem einzigen Jobbereich (Barkeeper:In) so viele unterschiedliche Charaktere arbeiten, ist beinahe unfassbar! Mir fällt da ein überaus engagierter und sympathischer Barmann ein, der nach unserem ersten Abend im Haus keine Orangen und keinen Tequilla mehr vorrätig hatte für den nächsten Tag. Nachdem wir den Barbereich – als Abschlussgäste – verlassen hatten, ist er ins Nachbarhotel marschiert und hat in einem Korb Orangen und eine Flasche besten Tequilla geholt. Zimt war noch vorhanden und seine gute Menschenkenntnis hat ihn nicht getrügt, er hat auch am folgenden Abend mit uns gerechnet und wir wurden nicht enttäuscht. Diesen umsichtigen Barkeeper hätten wir gerne auch in andere Hotels mitgebucht für unseren Aufenthalt. Leider ist das in dieser Form noch nicht buchbar.
In einem anderen Haus war ein sehr junger Barverantwortlicher, der vermutlich etwas überfordert war mit uns vier Damen. Die Räumlichkeit war gut besucht und er hatte etwas Not, alle Tische rasch zu bedienen. Wahrscheinlich hat ihn das müde gemacht und er hat deshalb kurz vor Mitternacht begonnen, die Theke und die freien Tische mit Desinfektionsmittel zu reinigen. Den gastunfreundlichen Geruch habe ich heute noch in der Nase. Es hat nur noch gefehlt, dass er die Sessel auf die leeren Tische und den Bürgersteig hochklappt, während wir bei unseren halb vollen Gläsern sitzen.
Das schöne Bundesland Tirol haben wir nur ein einziges Mal für einen Wellnessaufenthalt besucht. Und das ist begründet in einem Wort mit sieben Buchstaben: Schnaps! Die Hotelchefin meinte es nach dem Besuch des Restaurants so gut mit uns, dass sie uns ihre edelsten Tropfen zum Verkosten kredenzte. Und sie hatte etliche Spirituosen! Ein „Nein“ wurde nicht akzeptiert und zu unserem Leidwesen waren die Gläser nicht in zarter Fingerhutgröße. Wir wollten nicht unhöflich sein und natürlich wollten wir uns auch keine Blöße geben. Über das Befinden am nächsten Tag legt sich bis heute einvernehmlich Stillschweigen.
Den ganzen Barbesuchen die Krone aufgesetzt hat aber eine Dame im Salzburger Land. Wir haben sie damals auf ca. „Kurz-vor-Pensionierung“ geschätzt. Ein schlanke, mittelgroße Frau, hochdeutsch sprechend und mit Mireille Mathieu – Frisur. Sie ließ sich äußerst selten blicken für eine Neubestellung, das jedoch nicht, weil sie viel zu tun hatte, nein, wir waren ihre einzigen Gäste! Ihrer versteinerten Miene zu entnehmen, hatte sie keine Lust auf Smalltalk und auch sonst keine Ambitionen, den Barumsatz zu steigern. Bei jedem weiteren Glas meinte sie nur: „Das ist jetzt aber das letzte Gläschen, ja?“ Nachdem wir das nicht als Frage verstanden haben, fehlte natürlich eine entsprechende Antwort. Kurz vor Mitternacht meinte Frau Mathieu: „Jetzt gehen wir dann aber alle hübsch schlafen, gestern war hier ein Chirurgenkongress und es ist länger geworden.“ Wir haben uns neugierig umgesehen und fragten, wo die Chirurgen denn wären? „Die sind schon abgereist, also dann – husch husch!“ Ich erinnere mich vage daran, dass sie in die Hände geklatscht hat beim Wort „Husch“! Kurzzeitig fühlten wir vier Frauen im besten Alter uns, als wären wir in der Volksschule und die Lehrerin habe uns energisch zur Eile aufgefordert.
Aufmerksame Blogleser werden bemerken, dass zu all der Ruhe und Erholung, zu den guten Gesprächen, dem leckeren Essen und den wunderbaren Stunden mit den Freundinnen noch ein weiteres, ganz wichtiges Attribut bei diesen Aufenthalten dazu gehört – Spaß! Jede Menge Spaß und viel Lachen! So werden an den drei Tagen im Jahr zwar die Lachfältchen mehr, aber diese Tage sind immer etwas ganz Besonderes und Kostbares. Ich danke meinen „Mädels“ ganz herzlich dafür.
Schon beim ersten Anblick davon, kurz nach der Grenze, noch auf der Autobahn, musste ich die Seitenscheibe des Autos runterlassen. Das mache ich schon seit Jahren so, auch als Kind habe ich das immer so gemacht, wenn ich kurz vor der Ankunft in weiter Ferne das Meer gesehen habe. Der Geruch, eine Mischung aus besonderer Würze und Salz, die feuchtheiße Luft, die laue Brise, all dies ist unvergleichlich. Nach einer anstrengenden Autofahrt fühlt man sich sofort angekommen und ein klein wenig ist es auch wie Heimat für mich. Seit meiner Kindheit, in der die ganze Familie fast jährlich einmal ans Meer gefahren ist, sehne ich mich danach. Es war heuer Ende Juli, nach drei Jahren Entbehrung, wieder so weit – endlich wieder Kroatien, diesmal mit meiner Mama. Nachdem das Gepäck aus dem Auto verstaut war, bin ich an den Strand marschiert. Achtundachtzig Stufen trennen den Garten des Hauses vom Meer. An diesem Tag gab es kräftigen Wind, Wellen peitschten an den Kieselstrand und gegen die Felsen. Meine Haut nahm die Gischt und das Salz dankbar entgegen, saugte sich voll, die Sehnsucht wurde endlich gestillt. Turbulent war es, das Meer, wie passend zu den vergangenen Monaten in der Pandemie. Es wirkte gar wütend auf mich. Ich lächelte, blickte über den Horizont zur Insel in die Ferne. „Ist ja gut, beruhige dich, nicht mehr wütend sein!“.
Ich sprach diese Worte zum Meer, aber …. meinte ich etwa mich?
Foto: Manuela – Juli 2021
Ich nehme gerade am #Schreibadvent 2021 von Julia Rumplmayr (https://schreibkraft.at/) teil. Täglich Impulse zum vergangenen Jahr. Der Impuls Meehrweh ist zum Thema 3. Dezember „Lieblingsmomente“ entstanden.
Komm`, so setz dich doch her! Ich hole kühles Bier für uns. Lass` uns reden! Ich habe so viele Fragen. Lange warst du nicht mehr hier! Wo bist du denn immer?
So nimm´ doch Platz. Ich hole uns eine Decke und rücke nahe an dich heran. Es ist ein goldener Herbstabend hier draußen, wir müssen uns ein bisschen gegenseitig wärmen. Weißt du noch? Als wir uns zuletzt gesehen haben? Ich habe deine Hand lange gestreichelt, dir war so kalt an diesem Abend und du hattest doch nie kalte Hände, so lange ich dich kannte.
Und weißt du noch? Unser Urlaub am Meer, da haben wir unser letztes Karlovacko Bier mitsammen getrunken. Dabei hattest du gar kein Verlangen danach. Ganz erstaunt war ich und ungläubig habe ich dir zugesehen, wie du beim Sonnenuntergang an der kroatischen Küste vor einem Teller mit gegrillten Fischen gesessen bist, appetitlos und hoffnungslos. Warum hab ich die Zeichen nicht erkannt?
Ich hätte ein paar Fragen. Wie würdest du mit der Coronakrise und deren Folgen, die gerade auf uns zurollen, umgehen? Hättest du einen Rat? Weißt du noch? Lange ist´s her, wie du dich in wirtschaftlich schlechten Zeiten kämpferisch gezeigt hast und mit Ehrgeiz und Euphorie die Ärmel hochgekrempelt hast? Das waren deine besten Jahre. Wie zum Trotz hast du dich nie unterkriegen lassen und bist deines Weges gegangen – mit viel Mut und einer kräftigen Portion Optimismus hast du deine Ziele erreicht.
Du warst so lange weg, machst dich so rar. Komm´ doch öfter mal vorbei. Du weißt, ich habe immer Bier eingekühlt. Ich besorge uns Brot und Speck und Kren, den du so gerne magst, und viele Sorten Käse. Und dann lass´ uns herzhaft lachen über die vergangenen Jahre und all´ deine Sprüche, die du immer auf Lager hattest für uns Kinder und die Enkelkinder. Papa? Hörst du mich?